Wenn etwas nicht zu ertragen ist, muss man vielleicht ein Gedicht über das Abendrot schreiben. Die Menschen in #Aleppo sind verzweifelt, schlimmer könnt es nicht sein und auf dem Nachhauseweg leuchtete der Abendhimmel in den schönsten roten Farben. Vielleicht muss man doch, um nicht selbst zu verzweifeln, ein Gedicht über das Abendrot. Doch wie beginnen, wenn die Menschen in Aleppo sterben. Doch wie beginnen. Doch wie. Beginnen.
Autor: orangeblau
Stille Zeit #Palmyra
Die längste Nacht nähert in dunklen Schritten sich, trüb der Himmel blickt, die Schlacht um die Ruinen noch längst nicht verloren, umkämpft die Trümmer, dazwischen liegen die Reste der Menschheit, ihr Blut längst verflossen. Die stille Zeit, nicht kommen will. Kalt schlängelt sich der Fluß durch sein Bett. Palmyras Tore erzählten viele Geschichten, Khaled Asaad starb für sie, die Erzählungen sind erloschen.
Diskolärm knallt in die jungen Ohren #Damaskus
Fern der Bombenabwürfe
Diskolärm knallt in die jungen Ohren
geraucht wird alles, hinunterkippt
die letzte Angst, wer dagegen war
ist längst geflohen oder im
Untergrund. Die Häscher sind immer
auf der Suche. Gefeiert wird der
Tag und die Nacht. Ruinen stehen.
Damaskus Schönheit noch.
Zerbombt die Häuser. Zerrissen
vom Donnerkeil die
Straßen. Präsident Assad lächelt
streng auf seine Bürger. Staubzerfressen
die Lungen der Kämpfer. An die Front will
niemand mehr. Tod und Hunger sind
woanders. Hier herrscht der König.
Whiskey fliegt durch die Bar.
Arak für drei Dollar. Die Detonationen
sind bei dem Beat nicht zu hören.
Der Himmel verfärbt sich am Morgen.
So kalt lag der See #Sils Maria
Gewesen im Waldhaus
im Winter, in Sils, der Richter
der nicht traf den Nietzsche
doch war auch da der Kluge
Proust schon lang nicht
mehr die Schmetterlinge
angeschaut am Maloja, der
See lag weiß und kalt zu
Füßen, die Tannen wurden blau
der Corvatsch ganz rot vor
Neid und strahlt der Himmel prächtig
als wären Billardkugeln am Himmel
nahm die Farbe der Richter und
übermalte die Fotos des
so kalt lag der See und doch
die Sonne schien
Die Schmetterlinge tanzten
Als Zarathustra in Sils auf und ab
und Gott nicht fand, geweint
haben muss Proust, ging umher
um den See, die Schmetterlinge
tanzten sommerlich, pfeifend nur
noch die Murmeltiere ihm in
den Ohren lagen, zum Gletscher rauf
er wollt, dem Wagner gleich
zwischen den dunklen Tannen
schritt, immer auf der Suche nach
verlor sie doch und fand
der Gams gleich, sein Glück
Links. Rechts. Doppelpass.
Links. Rechts. Doppelpass. Vorlage. Wer gewinnt? Das Spiel ist offen. Der Wahlkampf hat längst begonnen. Die AfD befindet sich schon in der Schnappatmung. Das kann ja heiter werden.
Als Nietzsche kam nach Sils Maria
Als Nietzsche kam nach
Sils Maria und wanderte
über Tal und Berg, der Sonne
entgegen und dem Mond
den Schatten kommen sah und gehen
da wurde fröhlich ums Herz
ihm, die Gedanken fingen an
zu kommen, als wär gesund
er und trunken vor
Glück, die Heiterkeit
umgab ihn, drob in den
Bergen, drob in Sils
Christsterne am Fenster
Barbarazweige geschnitten, am Fenster die Schneeflocken gesucht, nur nebelweiß die Straßen liegen, im Fenster der alten Nachbarin Christsterne gesehen. Erzählt eine alte Geschichte. Gelsenkirchener Barock umrahmt die Pflanze. Wie viele Weihnachten wird sie noch erleben? Die Enkel wohnen in der fernen Stadt. An Weihnachten würde sie gerne. Sie schafft den Weg nicht mehr, die Fahrt zu weit. An Weihnachten steig die Einsamkeit in ihr hoch. Läuft über ihren gebeugten Rücken direkt in ihr Herz. Der Gärtner bringt ihr immer zwei Christsterne vorbei, fürs Wohnzimmerfenster und fürs Küchenfenster. Im Radio hört sie gerne Weihnachtslieder, singt gerne mit. Früher hat sie Mandoline gespielt, im Orchester, aber jetzt sind ihre Finger viel zu steif. Vielleicht schafft sie es am Heiligen Abend in die Christmette. Dies wär´ihr größter Wunsch. Vielleicht ruft ja ein Enkel auch.
Am Abend, wenn alle Geschäfte
Am Abend, wenn alle Geschäfte schon geschlossen haben, die Nase an die Schaufensterscheibe gedrückt. Überall Lichterketten, Kugeln, so als wäre schon da der Festtag, als wäre schon geboren das Christkind. Geschenke wollen gekauft werden. Weihrauch Myrrhe, Gold. Geschenke für einen König. Doch wo sind die Könige? So viele Geschenke können doch nicht nur für einen sein. Die Kälte zieht langsam in die Glieder. Auch der Christkindlmarkt ist längst geschlossen. Die Sternen leuchten hell in dieser kalten Nacht. In den Eingängen der Kaufhäuser sieht man hier und da noch einzelne Menschen. Sie richten ihren Schlafplatz ein. Ob sie Geschenke bekommen? Die Heiligen drei Könige waren weit unterwegs. Folgten dem Stern. Auch heute scheinen die Sterne zum Greifen nah.
Nikolausabend
Marias Heimkehr lässt auf sich warten. Längst kalt geworden ist den Störchen, im Ofen warten schon die Äpfel. Die Radfahrer sind in diesen Tagen weniger geworden, der Nebel hat über Nacht die Bäume weiß gefärbt, Schneeersatzstoff für die Träume. Fliegen über weiße Landschaften, Hügel für Hügel. Nikolaus war kein Seemann, die Schuh werden nach draußen gestellt, zumindest heute Nacht. Holz müsste auch noch gehackt werden, die Kinder bekommen an den Schaufenstern große Augen. Wunschzettelglückseligkeit. Der Krampus poltert schon lange nicht mehr. In der Stadt habe ich Joseph getroffen. Er wusste von nix. Kirmesbudengleich leuchtet manches Haus.