Wildschweine links liegen gelassen

Möglicherweise verspätet sich der Autor, verliert er sich im Wald. Auf der Spur der Wörter den Hirschen begegnet, ganz still geworden, herangepirscht, Witterung aufgenommen, Handkes Glück. Einen  Fuchs gesehen, zum Glück kam der Jäger nicht in die Quere. Verspätungen werden bei einem deutschen Autor nur ungern gesehen. Pilze gejagt. Steinpilze mit Hirschgulasch oder Rehragout. Preiselbeeren selber gefunden, der Autor ist glücklich mit seiner Beute. Auch ohne Wörter geht er zufrieden heim. Wildschweine links liegengelassen.

Fliegen die Silben

Fliegen die Silben durch die Luft

überqueren geschwind den Lech

durch die Wertach geschwommen sind

den Bergen gerade entkommen und

doch umschlungen von der Sehnsucht

so sie träumen

von den Gipfeln hoch, verlieren sich

schnell und finden nicht einander

die Zungen nur stolpern über sie. Gestammel

über die Ufer dröhnt, der Sinn

verloren gegangen

Cuba, #Castro

Verblasst die Revolution, vorbei längst die von Commandante Che Guevara, vertrieben Batista, Fidel Castros Cuba erlangte einen morbiden Charme, Geflohene, politische Gefangene, Sozialismus vor den Füßen der USA., Maurerrisse, amerikanische Karossen, Zigarren und die Musik vom Sozialklub. Club Sozial de Buena Vista.  Gefeiert dank Ry Cooder und Wim Wenders. Am Ende Rost, lässige Musik. Rum. Tanzende Männer und Frauen. Herumstreunende Hunde, Huevos a la Habanera, hier und da ein herumfliegendes Huhn, zwischen Danzon und Son, getrommelte Rumbas, morbid der Charme von Cuba, voller Freude doch aufs Leben. Guantanamera, guajira guantanamera
Guantanamera, guajira, guantanamera.

Guantanamera

Dem Gegner

Dem Gegner den Zahn ziehen, als wäre ein Barbier, als läge dann, schmerzverkrümmt zahnlos auf der grünen Wiese, während hakenschlagend er Tor für Tor erzielt. Wenn Reden Silber ist, der Gegner ohne Narkose bearbeitet, wäre doch Schweigen, lieber ein feiner Beinschuss, nein, nicht ins Bein, Gold gewesen, das Schweigen. Samstagnachmittag kehrt das Mittelalter nicht zurück auf die Erde. Zahnärzte, last euer Besteck daheim, Barbiere sowieso.

Wenn schliefe der Garten

Wenn schliefe der Garten, die Schnecken fern

die Blattläuse sind verschwunden, die heruntergefallenen

Blätter liegen auf dem Komposthaufen oder werden unter den

Obstbäumen vergessen, die vertrockneten faulen Äpfel sind

zusammengerecht worden, wenn schliefe der Garten

verschwunden die Bänke und Stühle, die Wespen kommen

auch nicht auf den Kuchen zugeflogen, die Ringelreihetänze

der Kinder sind im Herbstnebel seltener geworden, wenn endlich

schliefe der Garten unter einer dicken Schneeschicht auch die Wühlmäuse

würden nicht mehr zu erblicken sein

Laurentia

Am Sonntag wäre fein wenn hätte Zeit auf ein Stück Kuchen oder zwei, Laurentia, am Montag auch nix dagegen hätt´, auf ein Bier, Laurentia, voller Geduld und Ungeduld, am Dienstag wäre auch ganz wunderbar, wenn am Dienstag wir wären, Lautentia, Laurentia, schnell es nicht geht als am Mittwoch fein, doch wenn es nicht geht, wir könnten auch, Laurentia, zusammen sein am Donnerstag. Wenn es nicht drauf kommt an und wenn wir schon dabei sind, auf einen Tee am Freitag tät´ gehen. Am Samstag, am Samstag auf jeden Fall wir werden zusammen sein und tanzen und freuen, wir werden singen und lachen und im Kreise uns freuen, am Samstag. Ach wenn es doch wieder Sonntag wär.

Die Liebenden

Das Haus hatte Fliegengitter an den meisten Fenstern. Zutritt verboten für die gemeine Stubenfliege. Fliegen die Fliegen gegen das Gitter, meist entkommen sie wieder. Mücken auch fliegen gegen das Gitter oder auch, wenn der Spalt zu groß, zwischen Sims und Gitter hinein. Und stören den Nachtruhe der Liebenden. Die Liebe der Liebenden zu den Mücken hält sich in Grenzen. Saugen sie das Blut der Liebenden, werden die sich gerade noch geliebt habenden zur fluchenden Person, nehmen Hausschuh, Buch als Waffe und schlagen um sich. Mitunter zerstört wird so manches Fliegengitter. In Oberbayern. In der Toskana. Am Morgen, beim Kaffee, gezählt werden die Stiche. Satt schlafen die Mücken im Gebälk.

Vergissmeinnicht

Der Weg ins Hinterland war windig und kurvenreich. Hügel über Hügel musste erklommen werden. Vor Hirschen und Wildschweinen wurde auf Schildern gewarnt. So schien das Durchfahren von Wäldern nicht frei von Gefahr. An den Ästen hing kein Blatt mehr. Regenwolken jagten über die Wipfel hinweg. Baumstämme hatte oft eine farbige Markierung. Die Förster wollten ihre Ernte einfahren. Hinter mancher Kurve standen Kreuze. Totengedenkkreuze. Blumen lag davor. Im Bauwagen wurde gerne gefeiert. Der Mäusebussard wartete auf Beute. Im Sommer lagen wir am kleinen Weiher. Auf der Wiese blühte blau das Vergissmeinnicht.

Auf dem Scheunenboden

Auf dem Scheunenboden

kann entstehen ein Gedicht

zwischen dem Stroh und dem Heu

Katzen springen herab auf der Suche

 

vom Stall her kommt lautes Gemuhe

Zeit wird’s zum Melken

doch der Bauer muss erst noch

zwischen den Schäfchenwolken

 

nachsehen, ob schon genug Wörter

für seinen Text heruntergeholt sind

doch der Gestank der Biogasanlage

macht ihm alle Müh zunichte

 

die Wörter fallen ihm weg, fort

wirft er Papier und Stift

und rennt zum Stall seine Pflicht

zu erfüllen.

 

Wo kämen wir denn

auch hin, wenn ein Bauer dichte

 

Über´s Land

Über´s Land gewinnt

der Milchwagen gegen den Bulldog

das Kurvenrennen, die Schneefangzäune

werden in Position gebracht, am

Werk waren wieder die Optimisten

bildungswillige Kinder vom

Schulbus in die Lernanstalt geliefert

Milchkühe müssen schon lange

nicht mehr ins Freie, auch die

Schweine haben es gemütlich in

ihren Zuchtanstalten, auf dem

wegrationalisierten Misthaufen

kräht schon lang kein Hahn mehr

doch hier und da läuft noch eine Maus übers

Feld in die Arme der lauernden Katze