Himmelswade und Schnürbein #Grimm

 

Verraten der Müller

die Tochter, ein rechter

Aufschneider gar

als könnte die Tochter

 

das Unmögliche

das, was niemand vermacht

an den König verscherbelt

und rettet nicht er

 

Und rettet nicht

ein bucklicht Männlein

erst ihr hilft und spinnt

das, was nicht geht

 

zu Gold das Stroh

und muss versprechen

ihm in ihrer Not

das erste Kind

 

so hilfsbereit es

scheint, das Männlein

doch maßlos auch es

das Kind will nehmen

 

ihr für seinen Dienst

doch in Todesangst

keinen anderen Ausweg

nicht weiss

 

doch ach wie gut das

einer weiss, dass es

Rumpelstilzchen heißt

Ohne Hände #Grimm

Nicht widersteht der

Vater dem Teufel.

Verraten hat, in seiner

Gier, der Vater die Tochter.

 


Die Hände abhacken er

ihr, aus Feigheit, aus

Angst, nicht opfert sich.

Der eigenen Tochter die

 


Hände abhackt, nicht selbst

sich richtet. Die Tränen

nicht geholfen haben ihr

doch fern sie findet

 


die Hände verschnürt

auf dem Rücken

das Glück im

Garten, verstümmelt

 


und doch das Glück

Nach dem Derby

Beim Fussball ist nicht die Frage, ob ein Trainer aufhört, sondern wann. Bei Schubert scheint das WANN sehr schnell nahe zu kommen.

Take Five

Die Wahrscheinlichkeit, dass sich Trump, wenn er in Rente geht, Jazz vorspielen lässt von Till Brönner, tendiert gegen null. Take Five bleibt so Obama vorbehalten. Schade irgendwie.

Mühsam wächst

Mühsam wächst im

November das Gedicht

die Sonne scheint

viel zu selten, die Blätter

sind längst gefallen, verstreut

liegen sie herum, die Knospen

sind zwar sichtbar, doch

es friert das Gedicht im

nassen Regen. Nachts

steigt die Kälte in die Strophen

Vers um Vers legt sich der Nebel

die Vögel singen viel zu selten

ihre Lieder, nur ab und zu

springt ein Kind drumherum

pudelnasse Hunde markieren

ihr Revier

Take five


Herbstgewässer, der Schmutz

spritzt hoch als

radelte ich durch die grauen

Straßen, Freibäder sind

 

vergraut, Obama kann

uns auch nicht länger wärmen

singen müsste man ein

Abendlied, Till Brönners

 

Trompete konnte das Herz

früh dringt die Dämmerung

nicht unvorbereitet ins selbige

auf Facebook finden sich

 

sonderbare, muss man

auch diese aushalten

dann doch lieber

Take Five

Träume fallen herab / Jarrett

 

Gebeugt über das
Piano entreißt
Jarrett den Tasten
Klänge, eingerahmt
Zwischen Bach und
Chopin, Standards
des Jazzs umrankend
improvisiert er, den Tönen lauschend
als wäre ein großer Fluß
vorbeirauschend
wie wenn führe
er mit einer Vespa
über die Hügeln
der Toskana
entstehend Bilder
im Klangraum,
Gemälde, Filme
das Konzertgebäude
verwandelt sich in
eine riesige Stadt
blühende Wiesen
gleiten durch den Saal
Meer umschlungene Küsten
Stille
immer wieder
suchend einen Ton.
Wie kann die nächste Folge
entstehen, streng wird
das räuspernde Publikum
angestarrt.
Der Lauf der Finger
gleitet wieder
über das Klavier
Träume fallen herab

Lyrik kann

Lyrik kann
zwischen den grauen Regentropfen
welche an der Scheibe des Zuges
entlanglaufen

laut gesungen
oder aber auch dem Nachbarn
nur wenn er es wünscht
leise ins Ohr geflüstert werden

ohne rot zu werden.
Es wäre auch möglich
einfach so, weil gut gelaunt
das frisch erdichtete Poem

nach sternenklarer Nacht
mit rauchiger Stimme
hinauszuplärren.
Gerne aber auch

mit einem Glas Wasser in der
Hand, vor dreißig
hochgebildeten Zuhörerinnen
vor sich hinzunuscheln.

Manchmal ist es aber auch
besser, der Leser schließt
seine Ohren und liest
das Gedicht.

Einfach so.
Aus Spaß.
Weil er es kann.
Lesen.

Rainbow, Jarrett

Natürlich kann Jarrett

über den Flügel gebeugt

ganz ihn hineinkriechen

spielt er Somewhere Over

the Rainbow, sucht die Tasten

findet Töne der Träume,

blaue und gelbe

rote und lilafarbene

als würde im Konzertsaal

aufgehen wie eine riesige

Seifenblase, getragen von

einem zarten Lufthauch

fern von Regen und Sonne

ein Regenbogen schön

Nur das Klatschen der Zuhörer

stört den Traum

Verborgen doch der Mond

Verborgen doch verborgen

als wollt nicht sein

der Mond er will nicht zeigen

wie soll ich führen das Gespräch

mit dem Mann vom Mond?

Nicht sichtbar ist und doch so nah

und welche Sprache spricht?

Könnt sehen ich sein Gesicht

erraten könnt ich vielleicht

die Wünsche doch so bleibe

ich heut Nacht wohl allein

soll ich rufen oder gar schrein?

sehen werd ich ihn nicht

und wo er ist, das wird

ein Rätsel bleiben