Novembervollmond

Als wäre er größer geworden

so wird zu sehen sein der

Vollmond heut so wunderbar nah

als könnt man gleich drauf hüpfen

und mit dem Mann vom Mond

auf dem Mond einen Tee trinken

oder auch, wenn einem nach da ist

mit einem Glas Glühwein auf das

Wohl anstoßen. Vielleicht, wenn

recht gesprächig, kann man ja

mit dem Mann vom Mond ein

paar Worte wechseln. Möglicherweise

weiss er ja, ob es bald gibt Schnee

zu Weihnachten und ob der Nikolaus

schöne Geschenk dies Jahr wird

bringen

Novembermond

Manchmal erschrickt der

Mensch, schaut in das Grauen

der Jahre, was erlebt

haben muss der Andere, wie

gelebt in den Jahren, als

wäre nicht nur freundlich

gewesen, die Abstürze der Seele

eingegraben wie Furchen ins

Gesicht, Löschen, die Erinnerung

die Bilder, die Drogen ausspeien

als wäre der Andere zu oft auf

die Fresse gefallen, beim Aufstehen

nicht immer jemand dagewesen

vorbei der Junimond, vorbei

 

Schmiss Kopernikus

Schmiss Kopernikus die

Erde aus die Mitte

und schon drehte sie sich klaglos

um die Sonn

Jahrein, Jahraus

nun dreht sie ihre Kreise

Kopernikus zur Freud

als Trost nun dreht

der Mond nun

um die Erd

Apfelbäume, ein Trugbild

Gerhard Richter: Apfelbäume

 

Vorbei die Zeit der Blüte,
die Blätter sind gefallen, eingeholt,
gepflückt die schönsten Äpfel
herab fielen vorab schon
die Vögel freuten sich daran
und auch die Würmer
mussten  darben nicht
eingefangen die Sonnenstrahlen
verbreiten sie einen süßen Geschmack
auf dem Kuchenblech, im
Dezember gar, zur Weihnachtszeit
im Ofenrohr sie fein
gebacken uns ein Lächeln
zaubern ins Gesicht
der Bratapfel wärmt und doch 
weniger geworden sind
die Streuobstwiesen gar
und malte Richter sie
die Apfelbäume fein
als sei ein Foto es

 

 

In den Orchestergraben

Auf der Bühne muss stehen mindestens ein

Bösendorfer Flügel, drunter kann kein

ernst zunehmender Künstler

doch lässt Bernhard einfach

als wäre nichts dabei

Rosenkavalier 200. Mal gesungen

den Ochs hat der Bassist

den Dirigenten in den

Orchestergraben fallen.

Am Ende der Kunst bleibt immer

der Champagner, ob Strauss

in Salzburg, in Wien

ein rauschendes Fest

in den Orchestergraben

fallen

Mosaik: Nach Ball

Die Zeitschrift Mosaik hat anlässlich des 100. freiTEXTs eine kleine Geburtstagsedition gestartet und einen Text von mir veröffentlicht. Folgt dem Link zum Lesen, gerne auch über Facebook.

Mosaik FreiTEXT: Nach Ball

 

 

Nur der Mond

Fällt der Regen nur in grau. Sonne will nicht recht. Laternen leuchten bald. Nur der Mond wird scheinen heut.

Anchorage

Manchmal ist Amerika wie Anchorage. Weit entfernt von New York oder San Franzisko. Alaska, einfach weniger Pop. Holzfäller mehr denn Skateboarder. Ölbohrer statt Surfbretter. Die Sommersonne mau. Fast riecht es nach Russland. Bären laufen durch die Wälder. Kalt, dunkel und lang der Winter. Darauf ist Verlass. Und doch beginnt hier die Geschichte von Amerika, wurde es doch hier zuerst besiedelt. Kalifornien weit entfernt, noch weiter die Ostküste. Oh, Anchorage, Anchored down in Anchorage.

Novemberhimmel

Des Septembers letzte Sonnenkraft

schwebt über den nächtlichen Park

lässt fallen im Oktober rot und gelb

die Sehnsucht steigt in die Glieder

 

legt der Schnee sich auf das nackte Laub

blank die Stämme ragen empor

in den nasskalten Novemberhimmel

 

doch von droben die Sterne leuchten

hell auf die Liebenden in der

schneekalten Nacht

 

Industriegebiet

Auch zwischen den Hallen des Vorstadt-Industriegebietes lacht, inmitten den grauen Parkplätzen und trostlosen Hallen, Betonsteinen, leuchtenden Reklamen, Grünstreifenfetzen und Straßenrandbäumen Novembersonne ins Gesicht. Vereinzelt gehen hier Menschen lang, der Rest wird vorgefahren.