Auch zwischen den Hallen des Vorstadt-Industriegebietes lacht, inmitten den grauen Parkplätzen und trostlosen Hallen, Betonsteinen, leuchtenden Reklamen, Grünstreifenfetzen und Straßenrandbäumen Novembersonne ins Gesicht. Vereinzelt gehen hier Menschen lang, der Rest wird vorgefahren.
Autor: orangeblau
Fern
Die Blumen des Bösen vergessen
Mallarmés Würfel längst gefallen
vergangen der Rausch der
tiefen Nacht, wenn Hoffnung
kommt vom Meer, der Engel
wacht über die Liebenden, weiß
lagen die Blumen auf dem Dielenboden
ließ die Segel hießen er in der frühen
Morgenröte, Salz erfüllte die Luft
von Fern die Strahlen wärmen schon
fuhren entgegen dem blauen Azur
Zwischen den ersten Schneeflocken
Zwischen den ersten Schneeflocken leuchtet ein Regenbogen auf der Straße. Schön glänzt, zwischen den Ritzen des Asphalts, der Ölfleck.
Tonaufzeichnung
Modern war Kant, vorwegnehmend
die Zeit, hatte ein Tonaufzeichengerät
alle Vorlesungen wurden so,
Festplatten gleich, analog gespeichert
Jederzeit abrufbar seine
wunderbaren Ausführungen über
die Vernunft, auch die Ästhetik
kommt dabei nicht zu kurz, alle
Vorlesungen, alle Seminare:
aber auch alle Gedanken
konnte Kant speichern, so
musste er sich nicht sorgen ob
seiner Genialität, das ein zündender
Gedanke vergessen werden könnte
von ihm, konnte er doch alles
speichern. Glauben wir Bernhard.
Dank Friedrich, seinem
Tonaufnahmegerät.
Seinem Papagei.
Nur das mögliche
Davonfliegen von Friedrich
bereitete Kant Sorgen
Im Schreibwarengeschäft
Hin und wieder ging B., wenn ihm nichts mehr einfiel, ins Schreibwarengeschäft. Ihm gefiel die Auslage. Papier, Hefte, Buntstifte, Kugelschreiber, Bleistifte, Füllfederhalter, Tinte. Der Verkäufer kannte ihn gut. „Wie immer“? „Wie immer!“ Zufrieden nahm er die Tüte in Empfang und ging frohen Mutes nach Hause. Schwer fühlte sich die Tüte an. Schnell ging er an seinen Schreibtisch und schüttelte den Inhalt der Tüte aus. Doch er konnte nichts finden. Alle Wörter waren weg. Wie sollte er so schreiben?
Wenn der Schnee kommt
Wenn der Schnee kommt, kommen die hellen Tage, das Grau und Braun verschwindet, die Kinder kommen heraus aus ihren Höhlen, in der Früh schon sieht man Menschen, die man lange schon nicht mehr sah, beim Schnee räumen. Wenn der Schnee kommt, kommen die fröhlichen Tage. Kinder rasen kreischend auf ihrem Schlitten den Berg hinab. Selbst große Kinder werfen Schneebälle. Wenn der Schnee kommt, kommen die Vögel in den Garten und suchen im Vogelhaus ihr Futter. Wenn der Schnee kommt, kommen die ruhigeren Tage. Der Schnee schluckt den Lärm der Autofahrer, aber die haben es plötzlich gar nicht mehr so eilig. Wenn der Schnee kommt. Auch die alten Hunde freuen sich, wenn der Schnee kommt, tollen herum, als wären sie jung.
Der Ozeanriese
Voller Neid nur kann blicken München nach Hamburg. Der Ozeanriese #Elbphilharmonie ist gelandet. Prachtvoll leuchtet sie im Hafen. Schnell sollte man in München die Isar schiffbar machen, damit auch hier ein Ozeanriese landen kann.
Heute Frost
Heute Frost. Wunderbar. Ein zartes Weiß liegt auf der Welt, im Lichte der Novembersonne. Kein Grau in Sicht.
Kant auf hoher See
Natürlich konnte Kant überall Vorlesungen halten. Nicht nur in Königsberg. Auch auf hoher See. Über die Vernunft konnte Kant überall sprechen. Sehend oder Nichtsehend. Auf hoher See. Warum nicht? Natürlich konnte Kant die Vernunft auch nach Amerika bringen. Oder auch die Ästhetik. Und natürlich konnte er eine Frau haben. Konnte Kant. Kant, nie verlassen hat Königsberg. Nie verheiratet war. Nach Amerika lässt ihn fahren Bernhard. Doch leider kein Preis nicht für ihn dort wartet, Irrenärzte nehmen ihn in Empfang. Musste das sein, Bernhard? Der arme Kant.
Über den Brenner
Verloren die Blätter, verloren und doch
schon verkünden die Knospen
das Frühjahr zart, so bleibt der Winter
Kälte und doch eingeschrieben
schon die Blütenpracht, feuchter
Novembernebel lag in den
Schluchten, über den
Brenner wollt noch kommen
heut er, sein Rad quälte sich
Meter für Meter, konnt
die Hand fast nicht mehr
sehen, über ihm der
Adler zog, doch höher kam
da teilte sich, der Nebel
schwand, Sonne gab
ihm Mut