Fern

Die Blumen des Bösen vergessen

Mallarmés Würfel längst gefallen

vergangen der Rausch der

tiefen Nacht, wenn Hoffnung

kommt vom Meer, der Engel

wacht über die Liebenden, weiß

lagen die Blumen auf dem Dielenboden

ließ die Segel hießen er in der frühen

Morgenröte, Salz erfüllte die Luft

von Fern die Strahlen wärmen schon

fuhren entgegen dem blauen Azur

 

 

 

Zwischen den ersten Schneeflocken

Zwischen den ersten Schneeflocken leuchtet ein Regenbogen auf der Straße. Schön glänzt, zwischen den Ritzen des Asphalts, der Ölfleck.

Tonaufzeichnung

Modern war Kant, vorwegnehmend

die Zeit, hatte ein Tonaufzeichengerät

alle Vorlesungen wurden so,

Festplatten gleich, analog gespeichert

 

Jederzeit abrufbar seine

wunderbaren Ausführungen über

die Vernunft, auch die Ästhetik

kommt dabei nicht zu kurz, alle

 

Vorlesungen, alle Seminare:

aber auch alle Gedanken

konnte Kant speichern, so

musste er sich nicht sorgen ob

 

seiner Genialität, das ein zündender

Gedanke vergessen werden könnte

von ihm, konnte er doch alles

speichern. Glauben wir Bernhard.

 

Dank Friedrich, seinem

Tonaufnahmegerät.

Seinem Papagei.

 

Nur das mögliche

Davonfliegen von Friedrich

bereitete Kant Sorgen

Im Schreibwarengeschäft

Hin und wieder ging B., wenn ihm nichts mehr einfiel, ins Schreibwarengeschäft. Ihm gefiel die Auslage. Papier, Hefte, Buntstifte, Kugelschreiber, Bleistifte, Füllfederhalter, Tinte. Der Verkäufer kannte ihn gut. „Wie immer“? „Wie immer!“ Zufrieden nahm er die Tüte in Empfang und ging frohen Mutes nach Hause. Schwer fühlte sich die Tüte an. Schnell ging er an seinen Schreibtisch und schüttelte den Inhalt der Tüte aus. Doch er konnte nichts finden. Alle Wörter waren weg. Wie sollte er so schreiben?

Wenn der Schnee kommt

Wenn der Schnee kommt, kommen die hellen Tage, das Grau und Braun verschwindet, die Kinder kommen heraus aus ihren Höhlen, in der Früh schon sieht man Menschen, die man lange schon nicht mehr sah, beim Schnee räumen. Wenn der Schnee kommt, kommen die fröhlichen Tage. Kinder rasen kreischend auf ihrem Schlitten den Berg hinab. Selbst große Kinder werfen Schneebälle. Wenn der Schnee kommt, kommen die Vögel in den Garten und suchen im Vogelhaus ihr Futter. Wenn der Schnee kommt, kommen die ruhigeren Tage. Der Schnee schluckt den Lärm der Autofahrer, aber die haben es plötzlich gar nicht mehr so eilig. Wenn der Schnee kommt. Auch die alten Hunde freuen sich, wenn der Schnee kommt, tollen herum, als wären sie jung.

Der Ozeanriese

Voller Neid nur kann blicken München nach Hamburg. Der Ozeanriese #Elbphilharmonie ist gelandet. Prachtvoll leuchtet sie im Hafen. Schnell sollte man in München die Isar schiffbar machen, damit auch hier ein Ozeanriese landen kann.

Heute Frost

Heute Frost. Wunderbar. Ein zartes Weiß liegt auf der Welt, im Lichte der Novembersonne. Kein Grau in Sicht.

Kant auf hoher See

Natürlich konnte Kant überall Vorlesungen halten. Nicht nur in Königsberg. Auch auf hoher See. Über die Vernunft konnte Kant überall sprechen. Sehend oder Nichtsehend. Auf hoher See. Warum nicht? Natürlich konnte Kant die Vernunft auch nach Amerika bringen. Oder auch die Ästhetik. Und natürlich konnte er eine Frau haben. Konnte Kant. Kant, nie verlassen hat Königsberg. Nie verheiratet war. Nach Amerika lässt ihn fahren Bernhard. Doch leider kein Preis nicht für ihn dort wartet, Irrenärzte nehmen ihn in Empfang. Musste das sein, Bernhard? Der arme Kant.

Über den Brenner

Verloren die Blätter, verloren und doch

schon verkünden die Knospen

das Frühjahr zart, so bleibt der Winter

Kälte und doch eingeschrieben

schon die Blütenpracht, feuchter

Novembernebel lag in den

Schluchten, über den

Brenner wollt noch kommen

heut er, sein Rad quälte sich

Meter für Meter, konnt

die Hand fast nicht mehr

sehen, über ihm der

Adler zog, doch höher kam

da teilte sich, der Nebel

schwand, Sonne gab

ihm Mut

Verstaubt das Klavier

Verstaubt das Klavier steht, auch die Staffelei müsste mal wieder, doch lieber sitzt ich im Ohrensessel, die Finger sind nicht mehr so flink, malen, was soll ich schon noch malen, nicht einmal die Wörter fallen mir aus der Hand, der Regen peitscht die Blätter von den Bäumen, verwelkt stehen die Rabatten, die Astern färben noch himmelblau, die Eichhörnchen haben ihre Nüsse längst im Trockenen, gelesen hab ich noch in der Früh, doch am Abend müde die Augen, auf der Straße liegt der Blätterwald, wird bald Frost kommen. Vielleicht sollt ich doch noch einmal Bach spielen, oder Chopin, die Noten liegen noch irgendwo herum, am Abend, wenn der Staub nicht wäre, möglicherweise werden die anderen verrückt, wenn sie allein sind, ich hab mein Klavier.