Aufsuchen der Muße

Nur Übel sein kann der müßige Gang

ist der Übel Anfang gemacht

faul, träge, der Beginn des Unglücks

eine Todsünde gar.

Und doch, wie soll entstehen

ein Werk ohne Müßiggang,

welch Bild soll gelingen, wie

entstehen die Skulptur, der Fluss

der Wörter rinnen ohne, ein

Privileg ohne Frage das Aufsuchen

der Muße. Kierkegaard schon erkannt

welch göttliches Leben zu leben beginnt

Möglicherweise

Möglicherweise ist es so, dass nicht nur

Wondrascheck seine Familie

am Sonntag auf dem Friedhof

zusammengeklaut hat.

Möglicherweise lesen die Kinder

heute nicht mehr Karl May

froh wären die Eltern

möglicherweise, wenn die

Kinder heute Karl

May lesen würden.

Begann der Tag früher

mit einer Schusswunde,

wird heute eine Nachricht verschickt.

Möglicherweise war die Welt früher

nicht in Ordnung, aber Fußball

gab es am Samstag, da wusste man

wann man Vater nicht stören durfte.

Möglicherweise war der Samstagabend

früher nicht lustig, aber versammelt

vor dem Fernseher wusste jeder, was er nicht

zu verlieren hatte. Früher gab es

Freitags Fisch oder Spinat mit Spiegelei,

heute ist man Veganer. Schaute die

Familie früher aus, als wäre sie auf dem

Friedhof zusammengeklaut worden, muss

man heute erst den Weg zum Friedhof finden.

 

 

Zwischen den Astern

Zwischen den Astern

trübe Tage werden kommen

die Feuchtigkeit der Nacht

der Rosen letzte Blüten

die dunkelrote Sonne

liegt, ihr Winterfutter suchen

totgefahren auf der Straße

das Eichhörnchen

die letzten warmen Sommerstunden

davon fliegen die Vögel

Sommergewitter

Drücken die Wolken über dem Berg,
donnern hinweg, blitzen, auf die
Regentropfen muss man nicht
Lange warten, das ausgedorrte
Gras freut sich auf das Wasser,
schöpft Hoffnung auf neues
Grün, doch erst im nächsten
Frühjahr wird es wohl was
werden, der Spätsommer
kennt keine Gnade. Im Wind
wiegen sich die Zypressen,
hier und da hüpft ein Reh
aus dem Wald, kein Jäger
ist zu hören. Der Hall des
Donners erfüllt die Ohren,
kanonendonnerlautes Grollen.

Die Katzen suchen das Weite.

Dem Arno entlang

Dem Arno entlang,
über die Hügel, der
nackte Bacon im Kopf,
Eichenwälder, Olivenhaine,

junge Katzen wälzen sich
in der Sonne, Bachs Cello-Suiten,
von Ferne rauschen die
Autos auf der Schnellstraße,

der Nachthimmel zerspringt
vor lauter Sterne, Wildschweine
und Rehe wandern, Grillen
singen ihr „Gute Nacht“-Ständchen.

Der Traum von Lampedusa

Von weit her kommt
vom schwarzen Kontinent
der Verkäufer von Taschentüchern
und anderen wichtigen und unwichtigen

Kleinigkeiten, bietet an die Ware mit
Freundlichkeit, fast scheint es, als
sei er glücklich. Aus Kongo er angetreten
die weite Reise, zu erwarten gab es in

der Heimat nicht viel. Gelandet auf
Lampedusa, erzählen will er nur wenig,
er lächelt mit seinen schönen Zähnen.
In Italien nun sein Glück versucht. Gerne

er macht seine Arbeit, wie es denn sei
in Deutschland will er wissen, wie es denn
sei? Ein gutes Land? Was soll ich antworten?

Citta di Castello

Umgeben von der alten Mauer
liegt das Centro, gerne radeln
hier die Einwohner von einen Geschäft

zum nächsten, Rollerfahrer sind hier
fast eine Minderheit, lässig im
Spätsommerchick gekleidet wird

hier und da angehalten, gegrüßt,
nach dem Abziehen des Helms
müssen erst einmal die Haare sortiert

werden, auch aufs Smartphone fällt
der Blick, bevor er sich einen Kaffee gönnt.
Ein leichter Wind bläst durch die Straßen,

die ersten Frauen tragen schon ihre
hohen Stiefel, erst gegen Mittag
entsteht ein wenig Hektik, schnell

müssen noch Zutaten fürs
Essen gekauft werden. An der
Kasse wird ein wenig gedrängelt.

Das verschwimmende Gesicht

Wenn das Portrait kein Portrait ist

das Gesicht nicht als Gesicht erscheint,

die Person nicht wiederzukennen ist,

die Nase nicht mehr vorkommt, die Ohren

verlaufen, die Augen zur Höhle verkommen,

das Glück scheint den Personen nicht hold

zu sein, als sie Modell standen dem Francis

Bacon, zerrissen das Herz, die Kümmerniss

lastet schwer, wenn malt Bacon das Portrait,

zu lauern nicht das Paradies auf Erden, die

Hölle nur scheint reserviert.

 

Fleischhauerei

Als wäre er in einer Schlachterei

eingebrochen, sich in alle Ruhe

umgesehen, die Schweine und Rinder,

wie sie da hingen, aufgehangen

an ihren Füßen, in Hälften gesägt,

geschnitten, gehauen, bereit zur weiteren

Verarbeitung.

Fleischmassen, bereit zum Barbecue,

für Veganer eher nicht geeignet der

Maler, als Francis Bacon sich in einer

Schlachterei verirrte und erst

spät wieder herauskam.

Painting 1946

Schreiend

Schreiend der Papst schreiend,

eingesperrt, gequält, als würde

schreien müssen

für all die Pein, für all die Qual,

die bei den Verhören zu hören waren

von den armen Seelen, denen die

Kirche den Prozess machte, damals

in der finsteren Zeit der

Inquisition, als gefoltert wurde

in seinem Namen, im Namen

Gottes. Bacon lässt Innozenz X.

nicht auskommen, sein Schrei

durchdringt, lässt nicht entkommen

auf seinem Stuhl, als würde dort

vollzogen die peinliche Befragung.

Der Mensch nur Schrei.

Innozenz X.