Angeln

Im Sommer fuhr er gerne

schon sehr früh, als

die Vögel zu singen anfingen

mit seinem Rad die Isar

entlang.

Gerne nahm er sein Rad

so war er schnell am gewünschten

Ort. Zwei Körbe, vorne

und hinten, dazu noch

alte Satteltaschen. Er

musste schnell sein, damit

anderem ihm nicht zuvor kamen

Gerade am Samstag- und

Sonntagmorgen konnte er auf

reichlich Beute hoffen

mit Glück fand er sie schnell

konnte die weggeworfenen

Pfandflaschen aus den

Mülleimern fischen, hier

und dort fand er sie auch

verstreut in den Büschen

und auf dem Kiesbett verteilt.

Schwer beladen traf er dann

beim Supermarkt ein.

Wilde Mageriten

Wilde Mageriten blüten am Wegesrand

als radelte vorbei er

dort, wo außer Stein und Sand

fast nichts dem Samen Halt

geben konnte, ausgebreitet

wo magere Verhältnisse

auf die Blume warteten

stehen blieb er für einen Moment

verweilend bei der Sommerblume

bevor er weiter musst

das Ziel war nicht erreicht

In der Bar

An der viel zu langen Theke

hockten die verlorenen

Gäste, den Weg noch nicht

gefunden nach Haus

die Geschichten der Nacht

wurden noch nicht zu Ende

erzählt, der Barkeeper

wischt gelangweilt mit

seinem Lappen die Theke

hin und wieder schüttet er nach

die Zungen der Gäste bemühen

sich um eine klare Aussprache

die Küche hat schon lange geschlossen

die schwarze Fliege sitzt recht schräg

am Hals, durch die großen Fenster

werfen vereinzelt Autos ihr Licht

erhellen die Flaschen im Regal

Am Meer das Salz

Am Meer das Salz

von den Lippen geküsst

sacht plätscherte die Gischt

an den Strand wir

liefen über den nassen Sand

durch´s Haar fuhr ihr der Wind

die Postkarten hatten wenig Text

für Fotos keine Zeit

in der Früh schwarzen Kaffee

wir tranken, der Sommer

schien lang

die Hitze der Nacht erfreute

Homer wurde nur selten

herausgeholt, die Irrfahrten

mussten warten, der Gesang

der Sirenen, so schön

war er, die Insel war nicht weit

 

 

Auf der Wiese

Ausgebreitet die Decken lagen

umschlungen wir

pfiffen den Vögeln nach

aßen Erdbeeren

die Sonn färbte das Wasser rot

leer wurd´der Korb

die Sterne nur beschienen uns

die Münder erzählten sich

Geschichten zart

später schlugen wir Purzelbäume

unendlich schien die Zeit

so groß das Glück

 

Samstagvormittag

Im Zeitungslesesaal der Stadtbibliothek

sitzen ältere Herren vertieft in den Blättern

eine aussterbende Generation der

offline Leser, Smartphonebesitzer sitzen hier nicht

Nicht einmal der kleine Feinkostladen

um die Ecke führt meine Lieblingsschoklade

die Regentropfen schlagen gegen das Gesicht

im Bücherkaufhaus Stapel von Büchern

in die ich keinen Blick werfen will

zuhause wartet die Tageszeitung auf

ein Fortschreiten der Lektüre

hin und wieder durchbricht die

Junisonne den Wolkenteppich

und erwärmt

 

Kopfüber hängendes Gedicht


Wenn kopfüber hängt der Adler

warum soll dann ein Gedicht

nicht auch kopfüber hängen?

Wer sagt, dass alles immer gerade sein soll?

Doch will wer Leser haben, die immer

den Kopf nach unten neigen

um ein Gedicht zu lesen?

Wäre es besser für die Kunstbetrachter

wenn die Adler richtig herum hängen

würden? Oder würde dem Orthopäden

der auf herunterhängende Adler und

seine Folgen spezialisiert ist, sich

auch auf kopfüberhängende Gedichte

spezialisieren? Vielleicht muss man

nur noch eine Weile warten, bis

die Smartphoneträger ihren Kopf noch

weiter nach unten beugen, dann

werden Kopfübergedichte einen

Massenmarkt erobern. Die

Kooperation mit dem AppStore

wird schon vorbereitet

Regentage

 

An manchen Tagen weint der Himmel
wird das Herz nass
Wolken schwer hängen am Gewölk
die Stiefel saugen sich voll
die Wiese ein einziges Meer voll Tränen
über läuft die Regentonne im Garten
als wollte es wegschwimmen, das Herz

Der Schreibtisch

 

Der Bleistift wetteifert mit der Schreibmaschine
um die besseren Einfälle, doch was ist
wenn das Papier leer bleibt?
Zwischen Kafkas Tagebüchern
und Bachs Kantaten die Suche
nach dem Grund der Poesie.
Das Konzept des Schreibens
verloren oder nie gehabt
gespielt nur mit den Worten und den Träumen
doch Freude über jedes gefundene Wort

Im Sommerhaus

Der Garten ein Paradies

Rittersporn, Rosen, Hyazinthen
die Bäume hängen schwer
mit ihren Früchten
die Johannisbeeren neckisch
auf hohen Stämmen
die Brombeeren ranken wild
Kinder springen über Wiesen
wenn Freunde kommen
wird der Abendstern begrüßt
die Schwalben und die Kohlmeisen
umflattern die Köpfe
im Sommer besuchen uns auch
die Wespen.