Der versteckte Poet

Für LZ

Träumte von Madame Mayröcker

Wörter zerreibend, faltend

Bilder schreiben

Wörter malend

das Gehirn zu Papier bringen

Abringen das Wort, verstellen

umstellen, Gedanken geben

anstoßen das Neue

nicht verharrend.

Versteckt nun

der Poet, verzogen

Anschrift unbekannt

im Traum gesehen

den Ohrensessel, darin

der verschwundene Poet

versunken in der Lektüre

auf der Suche nach Farbe

nach Wörtern

Das Mittelmeer

Im letzten Jahrhundert haben die Europäer gerne auf den Inseln im Mittelmeer Urlaub gemacht. Ob spanische, italienische, griechische Inseln. Beliebt waren sie alle bei den Europäern. Nun sind diese Insel auch beliebt geworden bei Menschen aus Syrien, Irak, Afrika. Aber das Problem sind nicht die Hotels oder Restaurants. Es geht nicht um die zu hohen Preise, die zu schlechte Qualität, die Menge des Alkohols oder die zu lauten Diskotheken. Die Menschen, die jetzt mit Booten kommen, die den Namen Boot zu unrecht tragen, sind sie doch nicht geeignet zum Fahren über das Meer, sie ertrinken bei ihrer Fahrt zu den europäischen Inseln. Dadurch entstehen für den Erholungsuchenden Urlauber Gewissenskonflikte. Soll er sein Sonnenbad beenden, wenn ein Boot vor seinen Augen strandet? Was macht ein Urlauber, wenn neben ihm eine Leiche angeschwemmt wird? Der österreichische Außenminister hat einen Lösungsvorschlag, der Europa weit voranbringen wird. Auf Inseln wie Lesbos, aber Mallorca wäre sicher auch wunderbar, oder Elba, sollen die Flüchtlinge kaserniert werden, in Internierungslagern. Australien dient hierbei als Vorbild. Das bei diesen Internierungslagern, die Australien z. B. auf Nauru betreibt, es zu Selbstverbrennungen kommt, weil die Lebensverhältnisse dort so katastrophal sind, stellt für den österreichischen Außenminister scheinbar kein Problem da. Für den erholungsbedürftigen Urlauber sollte dies dann ja auch keins sein, oder?

Ein schönes Meer, ein schönes Europa. Ein abschreckendes Europa.

Rosenblüte

Die Rosenblüte im Regen

vergebliche Müh der Natur

die Läuse fressen die Blätter

der Duft nicht strömt

im Juni wenn der Regen

rosa, weiße und rote Blüten

wollen erleuchten

den Garten, erfreuen

den Besucher, Verschwendung

üppige, rauschende

Fest der Sinne

der Gärtner schneidet

ob Sonne, ob Regen

zupft an den Blättern

Goethes Knabe wollt es brechen

das Röslein auf der Heiden

doch fern vom Mord

im Namen der Rose

dem Besucher erfreut das Herz

welch üppiges Fest der Natur

Muhammad Ali

Der große Boxer ist gestorben

nach ihm konnte kein

ernstzunehmender Mensch

mehr sich einen Boxkampf

anschauen.

Über die Kornfelder

Über die Kornfelder

laufen die Kinder heim

am Wegrand und

hier und da zwischen den

einzelnen Halmen des Korns

blüht der Mohn und die Kornblumen

die Gewitterwolken treibt der

Wind voran

die Farben werden dunkler

schieben sich vor der Sonne Schein

schon prasselt der Regen auf die

Kinder nieder, schneller

werden ihre Beine

der Donnerknaller fährt

durch ihre Glieder, so

ohrenbetäubend laut

der Regen drückt die

Felder nieder

durchnässt und glücklich

lachend erreichen sie

ihr Haus

Eine griechische Insel

Die Insel fern

der Menschenmassen gewesen

die Fähre fuhr lange

der Weg zum Strand steinig

abends in der Taverne

einfaches Essen, die Speisekarte

unwichtig, das Meer türkisfarbend

der Wind stricht warm um die Felsen

die Köchin trug stolz

ihre Falten im Gesicht.

Als eines Abends ein

Thunfisch an Land gebracht wurde

herrschte große Aufregung

das ganze Dorf erschien

alle bekamen ein Stück

keiner musste an diesem Abend

hungern

Wegesrand

Am Wegesrand der Arbeiter

Ohrschutz tragend

mäht, schneidet, senst

das Wegesrandgras

auch die Kornblumen, der Mohn

die zwischendurch, am Randes des

Kornfeldes sich erheben und blau und orange

den Wegesrand und das Feld färben

der Lärm ist ohrbetäubend

ohne Schutz kaum zu ertragen.

Wenn die Arbeit getan, weitergezogen

der Arbeiter, das Land kommt zur Ruhe

Bienen und Hummel suchen Nahrung

in der Morgensonne die Autos schnell

fahren vorbei am Korn, den blauen und orangefarbenen

Blumen, erst später kommt eine Frau

nimmt Platz auf der Bank vor dem Herrgottskreuz

und sieht in die Ferne und freut sich

über die Farben der Blumen

 

 

Hermes Baby

Natürlich könnte ich mir

eine Hermes Baby kaufen

oder ersteigern, ein Blatt

Papier einspannen und schreiben.

Fühlen könnt mich dabei

wie Borroughs, zu Bernhard

werden oder Paul Auster

spann ich das Blatt gerade ein

oder doch ein wenig schief

vielleicht doch lieber ein Papier,

welches schon ein klein wenig

beschrieben ist, meine Finger

freuen sich ob der Arbeit

die auf sie zukommt

als wäre es ein Klavier

drücken die Finger die Tasten

jeder Fehler wird bestraft

mit einem falschen Buchstaben.

Doch leer das Blatt noch

die Idee, sie fehlt.

Dann doch lieber

eine Olivetti kaufen?

Doch die Entscheidung

ob ich lieber über das Weizenfeld

den Straßenbahnfahrer

oder über den blauen

Himmel schreibe, nimmt

mir keine Schreibmaschine

ab

Sonnabend

Nach dem Gewitter blau

der Himmel ist wunderbar blau

doch schwül noch die Luft

nicht reinigend genug

kommen werden die nächsten

Gewitter.

Die Rosen warten noch, bis

sie ihre Blüten öffnen

schon bereit, die Abendsonne

leuchtet auf das Grün

die Vögel kommen zur Ruhe

die Kinder gehen in

die Häuser.

Sonnabend

Der Waschsalon

Der Waschsalon, nicht wunderbar

nicht heimelig, nicht angenehm

der Duft, öd schauen die Menschen

gelangweilt in ein Buch, ins Smartphone

die nicht mehr weiße Wand an

kein schöner Film kann hier

entstehen

nirgends ein verliebtes Paar

in den Trommel die Wäsche

der Heimatlosen, Vertriebenen

Unglücklichen, vor der

Türe wartet der Frühling