der wanderer #2

 

die kreuze waren längst abgeräumt, kraniche

zogen richtung norden, grau sein gewand

kurz vor mitternacht brannte das feuer

versperrt blieben die holzwege dem

wanderer, auf der suche nach der wahrheit

rastlos umherirrend, nicht lesbar die schrift

an den bäumen, das klappern der schnäbel

hallt über dem see, hermes grüßt von

weitem, die sümpfe der ebene längst

trockengelegt, schlaflos die wachsamkeit

bezirzend sein tanz in der frühen morgenstund

helden schlafen auf der ofenbank

 

das unkraut kroch aus allen

erdritzen, von schnee keine spur

mehr, die schmale sichel des

mondes ragt über gilgamesch, könig

lear isst keine linsensuppe mehr

unter dem tisch liegt die ordnung

des tages, amseln streiten

sich über den besseren platz in

der sonne, ameisen suchen ihre

straße, mimosen allenthalben

helden schlafen auf der ofenbank

attalos #2

das fette brot der kalten tage
runtergetrunken, wände nicht
verrückt, dunkelrote wolken
rufen die nacht herbei, wecken
den mond auf, längst die spuren
von pergamon verloren, attalos
davongeritten, du schläfst einen
traumlosen schlaf, überall werden
dem dionysos tempel gebaut

walfische

polyphonie in den orkus gekippt, wahnsinnig

werden die schädel nach mitternacht, 100

gramm wodka sind das mindeste, längst

blühen die haselnussbäume, bier kühlt uns

ab, walfische fliegen heute durch die luft

grenzenlos sein wird der rausch, zu fuß

den heimweg angestrebt, die stimmen

rauschen davon, von babylon spricht

niemand mehr, lesbos das glück verloren