
Eselsohr



Maria war schon ganz ungeduldig
Maria war schon ganz ungeduldig. Freute sich auf ihre Familie. Würde bald los gehen. In der Nacht von Freitag auf Samstag. Liegewagen. Firenze. Dauernd würden sie übers Essen reden. Übers Wetter. Mama würde zur Höchstform auflaufen. Maria musste um ihre Figur fürchten. Drum wollte sie mit Franz auch über die Hügel düsen. Bewegung tat bei dem vielen Essen gut. Ihre Großeltern freuten sich auch, wenn sie kamen. Am liebsten wollten alle nur dasitzen und reden. Und dann Essen. Und dann wieder reden. Über den Fußball. Über Politik. Über die Liebe. Am liebsten aber über das Essen. Mehr brauchte es nicht. Die Sonne würde scheinen. Ein oder zwei Tage zum Meer. Je nach Laune. Im Garten würden sie ein wenig arbeiten. Für die Weinernte wird der Urlaub nicht langen. Ein paar Tage noch.

Die Fahrt zum See musste sein. Schon in der Früh. Fast kühl noch die Luft. Im Zug zum Chiemsee. Franz und Maria mussten raus. Erst mal ins Wasser. Ganz schön lau schon in der Früh der See. Später mit dem Rad ein paar Runden gedreht. Schatten gab es nicht immer. Die Berge grüßten. Sie würden ein paar Tage bei Freunden bleiben. Stadtflucht in der Hitze. Später lagen sie wieder im Wasser. Sie froren nicht. Als wären sie am Mittelmeer. Zu warm eigentlich für eine Abkühlung. Franz mochte es lieber frischer. Am Abend würden sie Fisch grillen. Zander. Franz liebte den Zander aus dem Chiemsee. Tomaten würde es geben. Gurken. Was so wuchs im Garten. Und kühlen Wein. Riesling. Mehr nicht. Weniger nicht.

Ventilatorenanbieter hatten eine gute Zeit
Bleierne Schwüle lag über der müden Großstadt. Die Hitze führte zum Produktionsverlust. Ventilatorenanbieter hatten eine gute Zeit. Der Eismann kam auch mit der Produktion kaum nach. Musste nachts noch lange an seinen Eiskreationen arbeiten. Im Getränkemarkt wurden die Wasservorräte knapper. Aber Franz trank am liebsten kaltes Wasser aus der Leitung. Gegen Mittag hatte er nur ein Eis gegessen. Zwei Kugeln. Amarena und Pistazie. Keine neuen Sorten. Zum Abend im Biergarten verabredet. Hatte einen Salat gemacht zum Mitnehmen. Vielleicht nahm er noch einen Steckerlfisch. Ein paar Freunde würden kommen. Wie immer. Ein wenig philosophieren. Oder über Politik sprechen. Vielleicht auch über den Bachmann-Wettbewerb. Aber den fand Franz gar nicht so aufregend. Seine Stirn war noch heil. Das fand Maria auch in Ordnung.

und regneten die tränen im garten, leise
gimpelte der dompfaff vor sich hin
sommermargeriten zeigten in strahlendes
weiß, schlafgestörte katze, trakls ulmen
verfallen, unsere Schritte auf der nassen
wiese dahingerutscht, überquillende
regentonne, im dickicht der stadt kräht kein
hahn, die hortensien verziehen keine miene
hirten schlafen nicht um diese zeit
der vollmond nicht mehr weit, verborgene
sterne am abendhimmel, schwere wolken
drücken herab, wintervögel im norden, verblüht
ein wind weht von süd
der süße duft des jasmins, im wald die
schwammerlsuppe unter den alten bäumen, der
blonde hans singt schon lange nicht mehr la paloma
wie blau ist das meer
aus den bergen schleppt der lech schwere steine
wir sollten auf jagd gehen, durchnässt ziehen
die radler ihre kreise, immer noch
la paloma ade, ade