
Auch am Lech will werden


die engel fliegen in tiefer nacht
der schlag der flügel weht ihm ins gesicht
die engel fliegen in tiefer nacht
die müde hand kritzelt unscharfe worte aufs papier
die engel fliegen in tiefer nacht
die wünsche und träumen kämpfen verloren
die engel fliegen in tiefer nacht
küsse sind längst verflogen
die engel fliegen in tiefer nacht
verlorene gedanken sausen den engeln hinterher
Wenn Tulpen fliegen übers Land, in Rot und Gelb, die
Vögeln bauen ihre Nester
wenn Tulpen lächeln in Holland, Tokio, in Mainz, legt
vor die Tür der Geliebte die Blumen zart, wer kann
schon sprechen, wer, von der Liebe viel
Wenn Tulpen fliegen übers Land

unbehaust die felder, der aprilwind treibt die vögel
vor sich her, raben wehren sich tapfer gegen
den späten schnee, die mützen der radfahrer
sind tief ins gesicht gezogen, der bauer flügt
den acker, zieht wellen über das land. die sonne
verliert gegen die wolken den kampf. spargelstecher
krümmen ihre rücken, später karren die alten busse
sie wieder in ihre schlafstätten. der sohn des bauern
heult mit seiner crossmaschine über die rauen
wege. kühe sieht man hier keine. schweine haben schon
lange keinen ausgang mehr. ein verlaufender hahn
kräht um sein leben.


#vergissmeinnicht

die gartenzwerge hatten auch schon bessere zeiten
gesehen. ihre schönheit in gefahr. gern wollt ich über
dem feld einen fasan nachjagen. engelsgleich
mit flatternden flügeln. später taten die arme weh.
mit dem rad über die eisenbahnbrücke
geprescht. die roten lichter des zuges wurden immer
kleiner. den reisenden die besten wünsche nachgerufen.
das moos von der parkbank hatte schon lang keiner mehr
entfernt. löwenzahnsalat. in nachbars garten kämpft eine
glyzinie gegen den frost des Aprils. auf dem feldweg
kommt ein bauer mit einem milchwagen entgegen.
nebenerwerbsbetrieb. die anderen bauern im dorf
haben längst aufgegeben, fahren mit dem bulldog
ein paar runden um den verwaisten dorfplatz.
