die engel fliegen in tiefer nacht

die engel fliegen in tiefer nacht

der schlag der flügel weht ihm ins gesicht

die engel fliegen in tiefer nacht

die müde hand kritzelt unscharfe worte aufs papier

die engel fliegen in tiefer nacht

die wünsche und träumen kämpfen verloren

die engel fliegen in tiefer nacht

küsse sind längst verflogen

die engel fliegen in tiefer nacht

verlorene gedanken sausen den engeln hinterher

Wenn Tulpen fliegen #3

Wenn Tulpen fliegen übers Land, in Rot und Gelb, die

Vögeln bauen ihre Nester

wenn Tulpen lächeln in Holland, Tokio, in Mainz, legt

vor die Tür der Geliebte die Blumen zart, wer kann

schon sprechen, wer, von der Liebe viel

Wenn Tulpen fliegen übers Land

spargelstecher krümmen ihren rücken #2

unbehaust die felder, der aprilwind treibt die vögel

vor sich her, raben wehren sich tapfer gegen

den späten schnee, die mützen der radfahrer

sind tief ins gesicht gezogen, der bauer flügt

den acker, zieht wellen über das land. die sonne

verliert gegen die wolken den kampf. spargelstecher

krümmen ihre rücken, später karren die alten busse

sie wieder in ihre schlafstätten. der sohn des bauern

heult mit seiner crossmaschine über die rauen

wege. kühe sieht man hier keine. schweine haben schon

lange keinen ausgang mehr. ein verlaufender hahn

kräht um sein leben.

über dem Feld einen Fasan nachjagen

die gartenzwerge hatten auch schon bessere zeiten

gesehen. ihre schönheit in gefahr. gern wollt ich über

dem feld einen fasan nachjagen. engelsgleich

mit flatternden flügeln. später taten die arme weh.

mit dem rad über die eisenbahnbrücke

geprescht. die roten lichter des zuges wurden immer

kleiner. den reisenden die besten wünsche nachgerufen.

das moos von der parkbank hatte schon lang keiner mehr

entfernt. löwenzahnsalat. in nachbars garten kämpft eine

glyzinie gegen den frost des Aprils. auf dem feldweg

kommt ein bauer mit einem milchwagen entgegen.

nebenerwerbsbetrieb. die anderen bauern im dorf

haben längst aufgegeben, fahren mit dem bulldog

ein paar runden um den verwaisten dorfplatz.

schlehdornbusch #3

zwischen offenem himmel und schneeumwehten

löwenzahnwiesen der droste nicht das wasser

gereicht, kein tee getrunken mit ihr im dunklen

moor. gern girlanden um haar geflochten, ein

lied nicht gesungen mit ihr bei mondenschein

den kühlen wein allein getrunken, zwischen

dem schlehdornbusch und den anemonen, die

ringelblumenblätter abgezupft. die vögel des

waldes sangen ihr lied dazu. den blumenstrauß

ganz vergessen