Kaiserwetter

Mit Schneeschuhen waren Franz und Maria in den Bergen gewesen. Prachtwetter. Kaiserwetter. Wilder Kaiser. Der Himmel wunderblau. Sonnenmilch nicht vergessen. Die Sonnenbrillen hatten ganze Arbeit zu leisten. In der Früh noch Eiseskälte. Im Berg wurde ihnen dann doch wärmer. Auf der Hütte das Gesicht in die Sonne. Sie kamen ins Schwitzen. Dies war nicht besonders schlimm. Besser als frieren. Und sie hatten Wechselwäsche dabei. Droben waren sie nicht die einzigsten. Doch unterwegs war viel Stille um sie. Die meisten waren mit den Skiern unterwegs gewesen. Abseits der Piste nur hier und da Menschen. Franz genoss die Stille. War froh, nicht über Politik reden zu müssen. Keine GroKo im Berg und kein Syrien. Franz verzweifelte oft über die Unfähigkeit der Menschen, den Frieden zu wollen. Musste dann die Stille suchen. Der Schnee knirschte kräftig. Er war eisig geworden in den letzten Tagen. Die Nächte waren kalt gewesen. Endlich. Franz liebte den richtigen Winter. Dann konnte er sich auch auf den Frühling freuen. Die Heimfahrt war erst für später geplant. Konnten nicht lassen.

Frost

Unter den eisigen Apfelbaumästen flüchtige

Küsse, glitzernde Sterne liegen auf der Wiese

der große Bär wird erst später angerufen

 

der Fluss bringt Schneewasser aus den

Bergen, die Kiesel haben ihre Heimat schon

länger verloren, haltlos scheint die Liebe

 

in der Kälte,  Raben ziehen am Himmel, die

Glätte des Eises macht ein Verbleiben

unwahrscheinlich, das Klavier verstimmt

Einkaufstempelglück #2

Einkaufstempelglück. Rollentreppen

zum Rausch. Keine Feuchtigkeit dringt

an die Haut. Höchstens Schweißausbrüche

 

Wohltemperiert werden die Jacken über

Bord geworfen. Die untergehende Sonne

wird hier nicht vermisst. Erleuchtet das

 

Abendvergnügen. Volle Bäuche reihenweise

Im Parkhaus ist ein Stau zu vermelden. Hier

braucht keiner etwas

 

Mit vollen Taschen fahren sie heim

Parkbank

Längst weitergezogen war Aphrodite, die Parkbank

war ihr zu kalt geworden im Winter, der eisige Schnee

ihr in die Glieder gefahren, vorbeirauschende Autos

 

hatten kaum Notiz genommen von ihrer Schönheit, dick

verpackt in ihrer alten Daunenjacke schien sie ein graues

Anlitz, geduscht hatte sie schon seit Tagen nicht mehr, Passanten

 

verzogen die Nase,  irgendwann würde sie wieder nach

Hause gehen, sie würde ein warmes Bad nehmen

Paris würde schon noch kommen

Über die Kornfelder #2

Über die Kornfelder laufen die Kinder heim

am Wegrand und hier und da zwischen den

einzelnen Halmen des Korns blüht der Mohn

 

und die Kornblumen, Gewitterwolken treibt der

Wind voran, die Farben werden dunkler, schieben

sich vor der Sonne Schein, schon prasselt der Regen

 

auf die Kinder nieder, schneller werden ihre Beine

der Donnerknaller fährt durch ihre Glieder, so

ohrenbetäubend laut, der Regen drückt die Felder nieder

 

durchnässt und glücklich lachend erreichen sie ihr Haus

Rausch der Sätze #2

Es gibt schlechteres als Sätze,die explodieren im Kopf. Die einen betrinken sich mit Alkohol, die anderen mit Wörtern. Der Rausch der Sätze ist nicht immer frei von Nebenwirkungen, gebannt auf Papier ist die Ekstase erträglich. Der frische Wind weht um die Nase, die Wörter schreien aus dem Mund. Die Sucht ist groß.

Opole: Urszula

Fast ihr ganzes Leben hatte sie in Opole verbracht. Die Oder hatte sie immer begleitet. Sie liebte den Fluss. Saß oft stundenlang am Ufer. Nach dem Krieg war die Stadt menschenleer gewesen. Doch schnell hatte sich die Stadt wieder gefüllt. Früher lebten viele Deutsche hier. Nun sind es fast nur Polen. Urszulas Familie war nach dem Krieg gekommen. Sie war da ein kleines Kind gewesen. Heute wohnt sie direkt an einem Nebenarm der Oder. Boote fahren vor ihrem Wohnzimmer entlang. Im Sommer fängt sie die Mücken. Früher hatte es hier Wassermühlen gegeben. Gerne geht sie am Wasser ein paar Schritte. Setzt sich auf eine Bank, liest. Jeden Tag fährt sie in die Zementfabrik. Arbeitet dort im Büro. Wenn sie am Wochenende Zeit hat, fährt sie nach Annaberg. Dort gibt es ein Kloster. Ihre Kinder sind in die Hauptstadt gezogen. Bessere Arbeit. Urszula würde nicht weggehen wollen. Sie hatte hier ihre Heimat. Nur als die Oder Hochwasser hatte, hatte sie kurz überlegt. Das ganze Haus war voll Wasser gewesen. Manchmal besucht sie ihre Kinder. Noch ist sie ja jung.

Schnee in der Stadt

Schnee in der Stadt. Die Bäume biegen sich. Franz hatte das Rad im Keller gelassen. Half dem Hausmeister beim Räumen. Wunderbar weiß die Stadt. Fast nicht mehr zu hoffen gewagt. Die weißen Bäume ragten in den weißen Himmel. Der Dreck der Stadt verräumt unter der Decke. Hier und da die ersten Spuren von Mensch und Tier. Vögel auf der Suche nach was Essbarem. Die Hunde hatten es da leichter. Endlich holten die Kinder ihre Schlitten raus. An der Isar sah Franz den ersten Langläufer. Waren selten geworden in der Stadt. Immer wieder blieb Franz stehen, schrieb sich ein paar Worte auf. Bestaunte die Bäume. Hört dem Fluss zu, wie er Geschichten erzählte. Wenn Schnee lag, sah die Großstadt aus wie ein Dorf. So ruhig war sie geworden. Die Menschen schienen fröhlicher zu sein. Man traf Nachbarn beim Schnee räumen. Niemand musste schnell fort. Beim Bäcker war es in der Früh leer gewesen. Später würde Franz noch einen Kuchen backen. Später. erst noch den Schnee bewundern.

kiefern und eichen

der enterich geht am straßenrand

entlang, zwischen kiefern und eichen

reichlich dorniges gestrüpp, zum

see ist es nicht weit, die sonne hinter

 

dem nebel legt milch auf das wasser.

von fern hören wir kühe läuten.

pachelbels kanon lässt das wasser

tanzen, in der nacht wird der mond

 

ein rotes kleid tragen, unsere

lippen suchen sich, haltlos laufen

wir durch die weißen auen, krähen

kämpfen um den letzten krumen

Nacht in Paris

Baudelaires Sterne nicht gefunden beim

Gang durch die Stadt, Wolken, nichts als

Wolken am Firmament, nicht geliebt diese

 

Wolken, nicht geliebt, wollt die Sterne

erblicken über den Straßen von Paris.

In der Dunkelheit verloren.