engelscharen

das getöse der menschen in den

ohren, das mittagslicht versprüht

melancholie, der nebel verzieht sich

in die wälder, die ödnis der welt liegt

zu unseren füßen, staumauern geben

das wasser frei, möwen picken keine

augen aus, ach, ophelia, der rest ist

schweigen

Shisha

Gut, ich rauche keine Shisha, aber vielleicht sollte ich jeden Abend in eine Shisha-Bar gehen… ich muss ja keine Shisha rauchen

Enontekiö: Olavi #2


 

Von hier ist Schweden nicht weit. Menschen trifft man hier selten. Das gemeine Waldren fast öfter. Von den Rentierzucht kann man hier leben. Oder vom Tourismus. Die Winter sind dunkel und kalt. Hier gibt es ein paar Dörfer. Mehr nicht. Fast gibt es hier Berge. Oder zumindest Hügel. Nicht besonders hoch. Viel wächst hier auch nicht. Fichten und Kiefer tun sich schon schwer. Der Polarkreis liegt südlich. Was soll man da schon erwarten. Olavi züchtete Rentiere. Wie sein Vater. Und sein Großvater. Seine Familie hatte immer davon gelebt. Seit Jahrhunderten. Egal, ob sein Land zu Schweden gehörte oder zu Russland. Er lebte immer schon in Enotekiö. Mochte die kurzen Sommer, die nicht der Rede wert waren. Die Winter waren seine Zeit. Der unendliche Schnee sein Glück. Olavi liebte das Skilaufen. Wenn er Zeit hatte. Manchmal schrieb er auch Gedichte. Immer nur Tiere waren ihm zu wenig. Er hatte auch schon einen Verlag für seine Gedichte gefunden. Viele Leser würde er wohl nicht finden. Zumindest nicht in seiner Sprache. Vielleicht würde man sein Buch ins Finnische übersetzen. Oder ins Schwedische. Dann hatte er bessere Verkaufschancen. Ein wenig Geld konnte er schon brauchen. So viel warfen die Rentiere nicht ab.

kiefern und eichen #2

die enten laufen am straßenrand

entlang, zwischen kiefern und eichen

reichlich dorniges gestrüpp, zum

see ist es nicht weit, die sonne hinter

 

dem nebel legt milch auf das kalte

wasser, von fern hören wir kühe läuten

pachelbels kanon lässt das wasser

tanzen, in der nacht wird der mond

 

ein rotes kleid tragen, unsere

lippen suchen sich, haltlos laufen

wir durch die weißen auen, krähen

kämpfen um den letzten krumen

hiddensee

farbfilme liegen nicht mehr im

kühlschrank, flugzeuge bringen

die passagiere nach mallorca

selfies noch schnell vor dem

abflug, foto entwickeln lassen

will hier keiner mehr, das buffet

quillt über, lange sommer auf

hiddensee längst vorbei, zimmer

waren schwer zu bekommen

dänemark nicht weit, der sand

in den schuhen trieb die

sehnsucht, micha

ist längst anderswo