alleenbäume #2


alleenbäume habe ich umkurvt, die alten
kastanien ihr früchte abgeworfen, goulds
krummer rücken über dem klavier, hastig
heben die kinderhände auf, drachen sind
keine zu sehen, felder leer
daliegend, meine stirn legt sich in falten
kühl der wind pfeifend, wollmütze wird
über die ohren gezogen, in der küche tee
und heiße schokolade, das service der
großmutter hat ein rotschwarzes karomuster
der henkel der kanne notdürftig geflickt
die allee gibt es nicht mehr, längst gewichen
der neuen straße, alte wurzeln herausgerissen
umkurvt habe ich alleenbäume

bachs fugen #2


die insekten ließen wir nicht
durch das fenster. frühstück
ging anders. brillengläser
noch ungeputzt, die zeitung
wartete. küchenmöbel harrten
der polierung, blassblaue astern
winkten in die küche, auf dem friedhof
wurde alles gerecht, das ewige leben
wollte nicht mehr warten, bachs fugen
frisch gestriegelt auf klavier, dein blutdruck
driftete in den keller, später ließen wir
die fliegen herein, unter den steinen
vergänglichkeit gesehen, schon
der morgenhimmel blutrot
wolken vertrieben

Kartographie #14/2

Kartographie #14 Königsplatz

Gern ging Maria in Museen. Der Königsplatz war dafür ein guter Startplatz. Das Lenbachhaus gefiel ihr besonderes gut. Die Villa erinnerte sie an Florenz und die Bilder fand sie fantastisch. Aber das fand ja jeder. Den Blauen Reiter toll zu finden, war nichts besonderes. Zumindest nicht im 21. Jhdt. Die Nazis hatten den Blauen Reiter nicht gemocht. Vom Königsplatz aus konnte man auch gut die Pinakotheken erreichen, doch mehr als ein Museum konnte Maria am Tag nicht verarbeiten. Meist schaute sie eh nur wenige Bilder an. Dafür genauer. Länger. Den Beuys hatte sie sich aufgehoben. Sie mochte Beuys. Doch nicht am gleichen Tag mit dem Blauen Reiter. Marc, Kandinsky, Münter, Jawlensky. Das war schon fast zuviel. Da mussten noch andere warten. Der Beuys war für später. Erst die Farben geniessen. Die kräftigen Farben schwirrten durch ihren Kopf. Da war kein Platz für Badewannen.