Maria hatte Glück. Oder es schien so. Die Wiesn dauerten wegen dem Feiertag länger. So kam noch einmal Besuch aus der Heimat. Ihre Wohnung wurde aufgefüllt. Sie zog zu Franz und die Abende waren gerettet. Maria war im Westend unterwegs gewesen, hatte sich dort für ein Projekt getroffen, ein Freund hatte dort ein Atelier. Das Westend hatte sich stark verändert. Seitdem die Messe weggezogen war, waren viele neue Gebäude entstanden. Alte Geschäfte wurden verdrängt. Das Deutsche Museum hatte in der alten Messe eine Dependance. Autos, Fahrräder, Eisenbahnen. Auch eine Wirtschaftsberatung war eingezogen. Große Rechtecke in Beton mit Orange und Blau. Eine Treppe zum Verlaufen stand auch davor. Nicht für Wiesnbesucher geeignet. Nut nüchtern zu betrachten. Maria fuhr bis zur Schwanthalerhöhe, dort warteten ihre Freunde. Hier und dort lagen schon manche herum. Vorglühen war eben günstiger. Maria trank gern ein Bier. Aber Vorglühen kam ihr sonderbar vor. Stillos. Sie ging immer nüchtern ins Zelt. Sie waren spät dran. Platz gab es kaum noch. Großes Gedränge. Zum Glück hatten sie Reservierungen. In der Luft lag das Bier.
Allgemein
Dom zu Siena

Nacht wird im Chianti

durch den leeren park #2
gedenken aller verstorben
nicht vergessen, in commemoratione
omnium fidelium defunctorum
zuerst kommen die heiligen dran
das brot gereicht wird ihnen, die
natur scheint zu sterben dieser
tage, nackt stehen die bäume vor
uns, wir gehen durch den leeren
park, unsere händen treffen sich
die hagebutten gewinnen an
farbe, orange der sanddorn
himmel finstergrau
der herrgottswinkel hergerichtet, gottesäcker
frisch gerecht, fegefeuer abgeschafft
der wind fährt über das zerfurchte gesicht
wir gehen durch den leeren park
weiße schlieren #2
nachts im gehirn verlaufen. träume
weggeschmissen. bacons
fleischberge in den mülleimer
geworfen. beim metzger kein
hirn. auf der straße leere flaschen
des verlorenen glücks. die blätter
gehen ins rot. weiße schlieren am
himmel verkünden den wechsel
bald werden die nackten bäume
frieren. deine langen haare
grüßen im wind. nüsse
sammelt das eichhörnchen
nachts im gehirn verlaufen
Freyburg

Gartenfund

fischstäbchen #2
gib butter bei den fischen, im see
schwimmen keine ölsardinen
unglück bringt der freitag nicht, die
waschküche ist längst geschlossen
verlaufen die zeit
wäschetrockner stehen in jeder
eigentumswohnung, ball spielen auf der
wiese verboten, mit den smartphones
sind die kinder verräumt
verlaufen die zeit
spinat mit spiegelei wäre eine alternative
zu den fischstäbchen, am freitag
gibt es kartoffelpüree, die kinder
stochern lustlos herum
verlaufen die zeit
das treppenhaus ist fertig geputzt
im schrank die frische wäsche
wartet, die füße sind unter
dem tisch
Dom zu Naumburg

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