Kartographie #13 Schwanthalerhöhe #2

Maria hatte Glück. Oder es schien so. Die Wiesn dauerten wegen dem Feiertag länger. So kam noch einmal Besuch aus der Heimat. Ihre Wohnung wurde aufgefüllt. Sie zog zu Franz und die Abende waren gerettet. Maria war im Westend unterwegs gewesen, hatte sich dort für ein Projekt getroffen, ein Freund hatte dort ein Atelier. Das Westend hatte sich stark verändert. Seitdem die Messe weggezogen war, waren viele neue Gebäude entstanden. Alte Geschäfte wurden verdrängt. Das Deutsche Museum hatte in der alten Messe eine Dependance. Autos, Fahrräder, Eisenbahnen. Auch eine Wirtschaftsberatung war eingezogen. Große Rechtecke in Beton mit Orange und Blau. Eine Treppe zum Verlaufen stand auch davor. Nicht für Wiesnbesucher geeignet. Nut nüchtern zu betrachten. Maria fuhr bis zur Schwanthalerhöhe, dort warteten ihre Freunde. Hier und dort lagen schon manche herum. Vorglühen war eben günstiger. Maria trank gern ein Bier. Aber Vorglühen kam ihr sonderbar vor. Stillos. Sie ging immer nüchtern ins Zelt. Sie waren spät dran. Platz gab es kaum noch. Großes Gedränge. Zum Glück hatten sie Reservierungen. In der Luft lag das Bier.

durch den leeren park #2


gedenken aller verstorben
nicht vergessen, in commemoratione
omnium fidelium defunctorum
zuerst kommen die heiligen dran


das brot gereicht wird ihnen, die
natur scheint zu sterben dieser
tage, nackt stehen die bäume vor
uns, wir gehen durch den leeren


park, unsere händen treffen sich
die hagebutten gewinnen an
farbe, orange der sanddorn
himmel finstergrau


der herrgottswinkel hergerichtet, gottesäcker
frisch gerecht, fegefeuer abgeschafft
der wind fährt über das zerfurchte gesicht
wir gehen durch den leeren park

weiße schlieren #2

nachts im gehirn verlaufen. träume

weggeschmissen. bacons

fleischberge in den mülleimer

geworfen. beim metzger kein

hirn. auf der straße leere flaschen

des verlorenen glücks. die blätter

gehen ins rot. weiße schlieren am

himmel verkünden den wechsel

bald werden die nackten bäume

frieren. deine langen haare

grüßen im wind. nüsse

sammelt das eichhörnchen

nachts im gehirn verlaufen

fischstäbchen #2

gib butter bei den fischen, im see

schwimmen keine ölsardinen

unglück bringt der freitag nicht, die

waschküche ist längst geschlossen

verlaufen die zeit

wäschetrockner stehen in jeder

eigentumswohnung, ball spielen auf der

wiese verboten, mit den smartphones

sind die kinder verräumt

verlaufen die zeit

spinat mit spiegelei wäre eine alternative

zu den fischstäbchen, am freitag

gibt es kartoffelpüree, die kinder

stochern lustlos herum

verlaufen die zeit

das treppenhaus ist fertig geputzt

im schrank die frische wäsche

wartet, die füße sind unter

dem tisch