wenn die nacht am tiefsten ist #3


wenn die nacht am tiefsten ist, nicht enden wollend

schon früh gehen wir zur ruh, die sonn´ 

wendet sich, welch vermessen, nimmt sie doch 

nicht ihren lauf

wenn die nacht am tiefsten ist, die lichter brennen

gegen das dunkle an, auf der ofenbank

gewärmt die neuesten wörter zwischen dem knisternden

holz und der heißen glut

wenn die nacht am tiefsten ist, die schweren 

schuh des wanderers zum wärmen,  das gesammelte 

schweigen wäre gold wert,  heinrich böll kam

nur bis sparta, der engel schweigt

wenn die nacht am tiefsten ist

lichterfest

chanukkia-leuchter frisch poliert,  bald 

beginnen würde das lichterfest, schwer

gefüllte einkaufstüten füllen die straßenbahn

schwere nebelwolken drücken auf die

häuserdächer, weihnachtsmänner vom

studentenwerk haben ihre mützen längst

verloren,  unendlich lang schien die nacht 

der wintersonnenwende, kahle bäume

stieren dich an, bald beginnen würde das

lichterfest, neu der tempel errichtet

auf der wiese blühen keine krokusse

am fenster grüßt dich der christstern

bald beginnen würde, bald

vier tage vor weihnachten


die fleischerhaken im kühltransporter
leer, murmeltiere haben das weite
gesucht, verrutscht der wörter hall,
keine milch gibt heut die ziege, ein
lächeln läuft über dein gesicht
blätter verloren im dezembersturm
die buchenhecke, längst entzweigerissen
dein herz, verflogen im föhn der tage, im
regal des vorratkellers die ernte
des mirabellenbaumes unaufgeräumt
stapeln sich die blätter, die
morgengymnastikfindet täglich
im kopf statt

nah die wintersonnenwende

horizont in schichten aufgeteilt, nah
die wintersonnenwende, spät erst
ruft der tag, vermeers briefleserin
am himmel, den schwalbenflug des
sommers längst vergessen, die sehnsucht
nach den weißen schneekristallen treibt
uns in die kalten berge, die weisen sind
längst auf dem weg, den stern folgend
letzte tage zählt die gans, im rohr
schmoren boskoopäpfel, rot die wangen
horizont in gelb, rot, türkis

das blau des himmels nicht zu sehen


das blau des himmels nicht zu
sehen, der schwarze kaffee schlägt
dir aufs gemüt, viel zu mild
schmeckt dir der senf auf der


bratwurst, verloren das blau
nicht gesehen heut den alten
feuerball, auf beutejagd die
elster vor dem fenster, tannen


lehnen sich am zaun an und
warten auf ihre neuen besitzer
fern der blüte steht der barbarazweig
in der vase, nicht zu sehen das blau


der zander im see lacht müde den
angler aus, auf unserer zunge
brennt der obstler, das blau
des himmels nicht zu sehen

balalaika


weil so nass weil so grau der wind
um die ecken pfiff, die adventskerzen
löschte er, krampus verglüht, du
brachtest kipferl mir, clementinen


fielen aus deinem korb, narzissen
könnt´ich in die erde stecken für
das frühjahr, nackt und knorrig
stehen die eichen am ufer des lechs


zersprungene herzen laufen im
wintermantel, balalaikaklänge von der
wolga, slavnoje morje, svjasennyi


baikal, zerknittertes laub flirtet mit
deinem haar, lang das schweigen der
vögel, weil so schwarz der himmel