
Weihnachtskartendruckerei #linoldruck


wenn die nacht am tiefsten ist, nicht enden wollend
schon früh gehen wir zur ruh, die sonn´
wendet sich, welch vermessen, nimmt sie doch
nicht ihren lauf
wenn die nacht am tiefsten ist, die lichter brennen
gegen das dunkle an, auf der ofenbank
gewärmt die neuesten wörter zwischen dem knisternden
holz und der heißen glut
wenn die nacht am tiefsten ist, die schweren
schuh des wanderers zum wärmen, das gesammelte
schweigen wäre gold wert, heinrich böll kam
nur bis sparta, der engel schweigt
wenn die nacht am tiefsten ist

chanukkia-leuchter frisch poliert, bald
beginnen würde das lichterfest, schwer
gefüllte einkaufstüten füllen die straßenbahn
schwere nebelwolken drücken auf die
häuserdächer, weihnachtsmänner vom
studentenwerk haben ihre mützen längst
verloren, unendlich lang schien die nacht
der wintersonnenwende, kahle bäume
stieren dich an, bald beginnen würde das
lichterfest, neu der tempel errichtet
auf der wiese blühen keine krokusse
am fenster grüßt dich der christstern
bald beginnen würde, bald

die fleischerhaken im kühltransporter
leer, murmeltiere haben das weite
gesucht, verrutscht der wörter hall,
keine milch gibt heut die ziege, ein
lächeln läuft über dein gesicht
blätter verloren im dezembersturm
die buchenhecke, längst entzweigerissen
dein herz, verflogen im föhn der tage, im
regal des vorratkellers die ernte
des mirabellenbaumes unaufgeräumt
stapeln sich die blätter, die
morgengymnastikfindet täglich
im kopf statt

horizont in schichten aufgeteilt, nah
die wintersonnenwende, spät erst
ruft der tag, vermeers briefleserin
am himmel, den schwalbenflug des
sommers längst vergessen, die sehnsucht
nach den weißen schneekristallen treibt
uns in die kalten berge, die weisen sind
längst auf dem weg, den stern folgend
letzte tage zählt die gans, im rohr
schmoren boskoopäpfel, rot die wangen
horizont in gelb, rot, türkis
das blau des himmels nicht zu
sehen, der schwarze kaffee schlägt
dir aufs gemüt, viel zu mild
schmeckt dir der senf auf der
bratwurst, verloren das blau
nicht gesehen heut den alten
feuerball, auf beutejagd die
elster vor dem fenster, tannen
lehnen sich am zaun an und
warten auf ihre neuen besitzer
fern der blüte steht der barbarazweig
in der vase, nicht zu sehen das blau
der zander im see lacht müde den
angler aus, auf unserer zunge
brennt der obstler, das blau
des himmels nicht zu sehen
weil so nass weil so grau der wind
um die ecken pfiff, die adventskerzen
löschte er, krampus verglüht, du
brachtest kipferl mir, clementinen
fielen aus deinem korb, narzissen
könnt´ich in die erde stecken für
das frühjahr, nackt und knorrig
stehen die eichen am ufer des lechs
zersprungene herzen laufen im
wintermantel, balalaikaklänge von der
wolga, slavnoje morje, svjasennyi
baikal, zerknittertes laub flirtet mit
deinem haar, lang das schweigen der
vögel, weil so schwarz der himmel