Wenn wegfliegt der Hut

Wenn wegfliegt der Hut vom Kopf dem Bürger, wenn wegfliegt vom Kopf, der Wind das Wasser an den Strand, an den Strand drückt, die Wellen hoch und höher türmt, von den Dächern die Menschen auseinanderstürzen, auseinander, die donnernden Lokomotiven mit ihren Wagons nicht ihren Bahnhof erreichen, ungewollte Abweigungen nehmen, sich verirren in den Weiten der Welt, ihren Bahnhof nicht erreichen, heranrast der Halleysche Komet, heranrast, Schnupfen hat die Welt, Schnupfen.

Lärm hallt

Lärm hallt über dem Potsdamer Platz, als würd der Mensch, das Tier, der ganze Löwenkäfig brüllen, die Neuerungen der Zeit, aus schwerem Eisen, die Autos, die Straßenbahnen, rasen lärmend vorüber. Ameisen gleich rennen die Pasanten über den Platz, flink, fleißig, behend, die Hüte auf dem Kopf, wuselnd, geschwind, entlang den hohen Häuserschluchten, entlang, Ameisen gleich, ein großer Haufen, ein Gewimmel in der Stadt, wo scheint die Sonne, wo das Licht, Pflicht entgegen, wer sitzt nur im Café, wer sitzt nur fern der Menge, das Quitschen der Straßenbahnen in den eisernen Schienen, der Hut sitzt den Leuten fest auf dem Kopf, wo das Gesunde, wo das Kranke in der großen Stadt, Regen platzt und wischt hinweg all das Dunkle, Schmutzige, des Tages Müll der Stadt.

Wenn kommen die Gäste im Mai

Wenn kommen die Gäste im Mai, im wunderschönen, wunderbaren Wonnemonat Mai, die Luft angefüllt von süßen Düften, dann könnte man empfangen die Gäste mit einem Sekt oder Prosecco, ganz gleich, nur gut muss es sein, das Getränk, nur gut mit Holunderblütensirup vermengt.Dafür könnte man nehmen 12 Dolden vom Hollerbusch, gerne auch 24 oder 36 Dolden, zur Not, aber nur zur Not geht auch eine ungerade Zahl, am besten ohne Tiere, am besten. 1 Zitrone und 1 Orange waschen und schneiden, schön in Scheiben schneiden, reichlich Zucker mit der Saft einer weiteren Zitrone und Wasser aufkochen, die Scheiben der Zitrone und Orange in ein reines Gefäß geben, dazu die Dolden schichten oder legen und den Sirup, den süßen, darüber fließen lassen. Zudecken, das Ganze, zudecken und einige Zeit und Tage ruhen lassen, nur ab und zu und hin und wieder umrühren. Sekt und Prosecco reichlich einkaufen, in den kühlen Schrank damit und wenn sie da sind, die Gäste, die Korken knallen lassen und die Gläser füllen.

 

 

Ach im Mai

Ach im Mai, im ach so tollen, wunderbaren fantastischen Wonnemonat, dem so bunten Monat Mai, da hat Heine gestanden, sein Herz aufgemacht und seine Liebe gestanden, als die Natur sich öffnete, die Blüten sprangen, die Kirsch- und die Apfelblüten, der Holunder und die Kastanie, als die Natur sich öffnete und ein Fest feierte, sich verschwendete, da entsprang dem Heine die Liebe und hat gestanden, mit rotem Gesicht, unruhig, nervös, das Herz schlug bis zum Hals, die Vögel zwitscherten ihren Liebesgesang, da hat Heine seine Liebe gestanden, seine Lust und sein Begehren, im wunderbaren Monat Mai.

Wenn der Hollerbusch blüht

Wenn blüht der Hollerbusch, wenn blüht, die schönen Dolden nehmen, schneeweiß sie strahlen, die schönen Dolden nehmen und Küchle backen. Das Eiweiß von 2 Eiern von glücklichen Hühnern zu Schnee schlagen, Mehl, versehen mit einer Prise Salz und Milch verrühren, fast als wär´s ein Pfannkuchenteig, fast, verrühren, Eigelb und Öl nicht vergessen, Eigelb und Öl auch mit vermengen, den schneeweißen Eischnee unterziehen, mit Gefühl und Eleganz. Reichlich Fett, nicht zu wenig, in einer Pfanne erhitzen, die wunderschönen Blütendolden vom Hollerbusch durch den Teig ziehen, langsam durch den Teig und im Fett goldgelb ausbacken. Mit wunderschönen Monat Mai, wenn blüht der Hollerbusch, an einem Sonntag versammelt die Familie und Freunde um den Tisch, vertieft im Gespräch reinbeißen in diese süßen Küchle.

Unterm Hollerbusch. Geküsst

Unterm Hollerbusch. Geküsst. Husch, Husch, Husch. Unterm Hollerbusch. Sommer war´s, es hingen, die Beeren so schön schwarz. Husch. Unterm Hollerbusch. Geküsst. In der Näh auch war ne Aprikose, doch geküsst, husch, husch, unterm Hollerbusch. Die Beeren so schön schwarz. Die Lieb war schnell vergangen, doch blieb der Hollerbusch. Husch Husch Husch. Vergissmeinnicht.

Huhn mit Zitrone in einer lauen Sommernacht

Wenn Gäste kommen, in einer lauen Sommernacht, man könnte nehmen 1 Huhn, 1 oder 2 Zitronen, je nach Größe der Zitronen und des Huhns, Pfeffer und Salz, Zahnstocher oder Bindfaden. In einer lauen Sommernacht, wenn Gäste kommen, Huhn mit Zitrone. Waschen das Huhn, waschen, die Federn wird es schon gelassen haben, die Innereien entfernen und der Katze oder dem Hund servieren. Die Zitronen ein wenig walzen, drücken, kneten und einstechen, damit sie ihr Aroma, ihr wundervolle südländisches Aroma weitergeben können, an das Huhn weitergeben können. Reinschieben in den Bauch des Huhnes 1 oder 2 Zitronen, je nach dem, was passt und die Bauchhöhle des Huhnes verschließen, mit einem Streichholz oder einem Bindfaden. Möglichst dicht, dann bläst sich auf das Huhn, im Ofen, bei Hitze, es bläst sich auf. Salz und Pfeffer nicht vergessen, einreiben das Huhn am besten und sich freuen, dass das Huhn nun in den Ofen kommt. Liegend in einer feuerfesten Form backen, bis es wunderbar zitronig riecht und das Huhn eine schöne Farbe hat. Die Gäste in der lauen Sommernacht können kommen, sich über den kühlen Wein freuen und über das Huhn mit Zitronen, riechend wie eine Sommernacht auf Sizilien, die Gäste können sich freuen.

In der Manege

In der Manege, in der runden Manege immer im Kreis laufen, tagein, tagaus, über Monate hinweg, der Clown, der Löwe, das Pferd, immer im Kreis laufen, angetrieben durch das Klatschen des Publikums, durch die schallenden Trompeten, den Peitschenhieben des Dompteurs, wenn in der runden Manege alle im Kreis herumlaufen würden, tagelang, wochenlang, monatelang, der Tier, der Affe, die Reiterin auf dem Pferd, die Artistin, der Elefant, tanzend, springend, lachend, die Hände ins Publikum werfend, immer im Kreis herum, würde das Publikum, das auch immer auf ihren Plätzen im Zelt sitzen würde, voller Erschöpfung, völlig abgemagert auf dem Boden liegen, der Löwe, das Pferd, der Clown, das Publikum, der Affe, die Reiterin auf dem Pferd, alle würden erschöpft auf dem Boden der Manege liegen. Vielleicht würde jemand, noch bei Verstand, Halt schreien, Halt schreien und dem Ganzen Einhalt gebieten. Vielleicht.

 

Franz Kafka, Auf der Galerie

 

Zitroneneis

Man nehme 5 unbehandelte, naturreine wunderbar riechende Zitronen und presse sie mit viel Liebe, mit viel Liebe aus. Rührt unter Puderzucker und Joghurt, rührt unter und verrührt die sonnig duftende Masse verrührt und hinein damit dann in den kühlen Schrank und wartet eine Weile. Nach der Weile schlägt man 4 Eiweiß fest, mit Zucker vermengt fest. Vermengt dann, wenn der Eischnee schön fest ist, vermengt dann die eine mit der anderen Masse. Und füllt damit die Eismaschine. 1 oder 2 Tage später bestellt man Sommerhitze und lädt Freunde ein. Im kühlen Schatten des Kirschbaumes wird das Zitroneneis die Freunde von Innen kühlen, von Innen und die Liebe zu Italien warm halten.

Vor dem Tor

Der Türsteher wirkt nicht freundlich, hütet das Tor, steht fest und klar und gibt keinen Einlass ihm, der wartet und wartet. Vergeht die Zeit und wartet, wird älter der Mann und wartet und schaut hinein in das Tor und schaut hinein und würd doch gerne hinein und durch und Innen sein und wartet. Tage und Jahre, Jahre und Tage, Wochen und Monate, sitzt da, auf einer einfachen Sitzgelegenheit und wartet. Niemand will hier herein, niemand, nur er und wartet und wird älter Tag für Tag und Jahr für Jahr und wartet. Wird grauer das Haar, wird grauer und schwächer die Augen, immer schwächer, Tag für Tag, die Ohren müde und wartet Tag für Jahr vor dem Tor um Einlass bittend. Ob freundlich, ob unfreundlich, fordernd oder zärtlich bittend, erweichend nicht sich lassend der Türsteher. Zum Gesetz will, zum Gesetz, der Mann und kommt nicht hin, verschlossen bleibt das Tor.