Die Entstehung einer Zitronentarte

Man nehme, 1 Eigelb, man nehme, 2 EL kaltes Wasser, kaltes, man nehme das Mark einer Vanilleschote, auskratzen, man muss es auskratzen, mische dieses in 1. Schüssel, kleiner Schüssel und lasse, und lasse es stehen. Derweil, in einer 2. Schüssel, man nehme Mehl, Zucker, Salz, eine Prise und mische, mische, dazu man schneide 125 Gramm Butter, nicht zu kalt, in Stücke und vermische und knette, Teig werde, den Inhalt der 1. Schüssel vermengen mit der 2. Schüssel und kneten, kneten, kneten, man forme eine Kugel, eine wunderschöne Kugel aus diesem mürb werden sollenden Teig, ein Kugel und kühle sie ein wenig im kühlen Schrank, im kühlen. Warten, warten, warten, dann rolle man aus die Kugel, rolle man aus, etwas mehr im Durchmesser als die Tortenform, für den Rand, den schönen, mürben, legen, in die eingefettete Form den ausgerollten Teig legen, mit viel Liebe und Gefühl den Rand formen und kühlen, anschließend den Teig in den vorgewärmten Ofen schieben und backen, goldbraun backen, bis es herrlich riecht und gefühlte 30 Minuten vorbeigegangen sind. Für die Füllung nehme man 3 Eigelb, drei ganze Eier, den Saft von 5 Zitronen, nicht zu wenig Zucker, nicht zu wenig und ein knappes halbes Pfund, ein knappes, Butter verrühre die Zutaten so gut es geht und erhitze diese in einem Topf auf dem Herd bis die Masse eine feste Masse wird, eine feste. Wenn diese Füllung schön zitronig frisch riecht und fest wird, sollte man diese Masse auf den fertigen Boden streichen, auf den Boden und den Kuchen zum Kühlen in den kühlen Schrank stellen. Nach einer Weile können die Gäste kommen, die lieben, der Kaffee wird zubereitet und die Gäste setzen sich an den gedeckten Tisch, an den gedeckten, unter einem schattigen Baum, trinken den mit Milchschaum versehenen Kaffee und beißen in die saure Tarte, wie himmlisch doch schmeckt sie, die sommerliche Zitronentarte, als wäre geflogen, aus Italien in den Garten.

Auf dem Land

Auf dem Land. Auf dem Land. Gute Luft. Frische Wiesen. Kornfelder. Mais. Schöne Felder. Kühe. 100 Stück in einem Stall. Schweine. 1000 Stück in einem Stall. Hühner. 40.000 Stück in einem Stall. Puten. 5000 Stück in einem Stall. Gute Luft. Auf dem Land. Wann hast du zuletzt gesehen, eine Kuh gesehen, die brüllte? Wann hast du zuletzt ein Schwein gesehen, das grunzte, ein Schwein, bedeckt mit Lehm? Wann hast du zuletzt einen Hahn gehört, der krähte und sich freute? Gute Luft auf dem Land. Liegt  versonnen der Kater im Schatten unter der Linde? Summen Bienen hin und her? Die Schwalben fliegen tief, doch wo die Nester geblieben? Die Kälber liegen im Iglu, fern der Mutterkuh. Der Stier döst.

Die Zitronenbäume

Kennst du es, das Land, kennst du es, wo sie blühen, diese gelben, sauren Früchte, kennst du es, das Land, wo sie blühen, diese faustgroßen gelben merkwürd frisch riechenden Früchte? Kennst du das Land, wo die Zitronen blühen? In Indien blühen sie und in Südamerika, in Mexiko und China. Doch Goethe fand, doch Goethe fand sie auf Sizilien. Und suchte dort, der Dichterfürst und suchte dort, die alten Griechen auf Sizilien. Das Land, wo die Zitronen blühen, ein Land der Liebe und des Glücks, so scheint es fast ein Paradies. Doch irrte Goethe, doch, irrte Goethe sich da hier. Entstand doch dort, wo in Europa die Zitronen blühen, entstand doch dort, zum Schutz der schönen gelben Frucht, zum Schutz der wunderbaren Bäume, die Cosa Nostra. So ist das Saure der zitronengelben Frucht, so ist das Saure nicht nur erfrischend angenehm, entstand doch unter dem Zitronenbäume, nicht weit von dem schönen Städtchen Palermo, in einem Zitronengarten die Cosa Nostra. Aus der Mode gekommen ist dabei wohl der Handel mit Zitronen, bei der Cosa Nostra. Und doch so schön das Land, wo die Zitronen blühen, so schön das Land.

Türen. Warten

Türen, Türen. Warten. Vor der Türe. Bitte warten Sie! Im Jobcenter. Beim Bürgeramt. Bitte ziehen Sie eine Nummer. Einer kommt raus, einer geht rein. Warten. Bitte ziehen Sie eine Nummer! Beim Wohnungsamt. Vor der Türe. Einer kommt raus, einer geht rein. Einen Kaffee geholt aus dem Automaten. Bei der Kfz-Zulassungsstelle. Türen, Türen. Verschlossen. Ziehen Sie bitte eine Nummer. Einer kommt raus, einer geht rein. Schnell noch den Wohnort ummelden. Ziehen Sie eine Nummer. Bitte warten Sie im Warteraum! Einer kommt raus, einer geht rein. Beim Finanzamt. Beim Standesbeamten. Vor der Türe, vor der Türe. Minuten, Stunden. Langsam zerrinnt die Zeit. Einer kommt raus, selber rein. Tag, Herr Doktor!

Als Jandl seinen Führerschein machte

Als Jandl seinen Führerschein machte, da hatte es der Fahrlehrer wohl nicht leicht. Verwechselte schnell mal links mit rechts oder rechts mit links und nach da und nach dort anstatt nach dort und nach da. Als dann Jandl dort war und nicht da, war der Fahrlehrer fort. Beim nächsten Mal, der Fahrlehrer war wieder da, fuhr Jandl nach dort und nach da, anstatt von da nach dort und fuhr nach rechts und nach links und auch im Kreis. Doch als fuhr Jandl im Kreis verkehrt, anstatt links nach rechts, da war der Fahrlehrer fort und kam nicht mehr.

Zieht Abend übers Land

Zieht Abend übers Land, zieht Abend, legt Nebel sich auf die Berg legt, schwer werden die Felder schwer, zieht Abend übers Land, drückt weg die Sonne sich vom Horizont, Einsamkeit durchfährt die Glieder des Geliebten, Einsamkeit, ermattet wartend im Kummer liegt er, ermattet, zieht Abend übers Land. Ach Nachtigall, ach Nachtigall.

Lass uns schaukeln

Lass uns schaukeln, im Garten, Luise, lass uns schaukeln, hoch bis zum Himmel wollen wir, hoch bis zum Himmel, lass uns rennen, Frederike, lass uns rennen, den Berg rauf bis zum Gipfel, lass uns rennen, lass uns in den See springen, Katharina, in den See und bis zu den Fischen tauchen, bis zu den Fischen, lass uns hüpfen, Elisabeth, lass uns hüpfen, über die Bäume bis zu der grünen Wiese, lass uns hüpfen, lass uns lachen, Annabel, lass uns lachen, bis über die Straße, lass uns lachen, lass uns traurig sein, Susanne, lass uns traurig und uns die Sterne ansehen, lass uns traurig sein. Die Sterne sehen auf uns, die Sterne und bewachen unsere Träume. Lass uns schaukeln, im Garten.

Lad deine Träume ein

Beobachte. Krokodile, Elefanten, Schlangen, Spinnen. Schau sie genau an. Lad ein zum Teekranz den Herzensbrecher, Wortdieb, Bilderzerstörer, lad ein. Lad ein die, die deine Schwiegermutter nicht sehen will, lad ein. Lad deine Träume ein, deine großen und kleinen. Die geheimen und wilden. Lad deine Träume ein. Im Kino gewesen, geweint, sagt Kafka, im Kino gewesen und geweint. Liebe die Freiheit, das Leben, aber Liebe. Jeder ist ein Künstler, jeder. Lad das Kind in dir ein und feiere mit ihm ein Fest. Freu dich und male, zeichne, freu dich und schreibe. Schaukle auf der Himmelsschaukel, schaukle.

 

Joseph Beuys, Jeder Mensch ist ein Künstler

 

Die saubere Badewanne

Der eine badete gerne lau, der andere sagte dies. So ist die Badewanne Politik. Oder doch nur eine Badewanne. Oder Kunst. So nahm Beuys eine alte Wanne, eine alte Badewanne, aus Email, eine alte Babybadewanne, zu waschen den Babypopo, nahm Beuys eine alte Wanne und stellt sie aus. Ein wenig verändert, schikaniert, misshandelt, verpackt, verfremdet durch Beuys, denn der nahm Heftpflaster und Fett, Mullbinden und Kupferdraht für diese alte Babywanne und stellte sie, aus stellte er sie, als Kunstobjekt aus in der Akademie zu Düsseldorf. Und als machte die SPD ein Fest, nein, nicht in der Badewanne und als machte die SPD ein Fest, der eine badete gerne lau, in Leverkusen, wo sich die Wanne gerade befand, weil sie wartete, auf ihren großen Auftritt wartete, zwischen Bayer und Leverkusen, da machte die SPD ein Fest und weil die Gläser vom vielen Trinken schmutzig waren, säuberten zwei nette Damen die alte Wanne, befreiten sie von Mull und Fett und schrubbten und schrubbten und Dank ATA sie wurde weiß wie Schnee, so rein und sauber wie noch nie.Gründlich und rein, so war die Wanne und die Kunst dahin.

Joseph Beuys, Die Badewanne

Bäume pflanzen, Bäume

Bäume pflanzen, Bäume. Kunstaktion. Jeder Gärtner ein Künstler. Gegen Beton. Gegen Asphalt. Gegen das Grau. Gegen den Lärm. Einfach Bäume pflanzen. 7000 Bäume. In Kassel. Beuys lies sie pflanzen. 7000 Bäume. Gegen die Verstädterung. Gegen die Verschmutzung. 7000 Eichen. In Kassel. 7000 Bäume. Je 500 DM. Unbeliebt, zunächst, unbeliebt die Aktion. Hatten Angst vor Vogelscheiße, die Bürger, hatten Angst. Den Wald in die Stadt holen, Stadtverwaldung statt Stadtverwaltung. Warum nicht, einfach so, als Kunstaktion, Bäume pflanzen. In München, Berlin, Tokio. Einfach Bäume pflanzen. Anstatt Autobahnzubringer, Möbelhäuser und Baumärkte. 7000 Linden für Köln, 8000 für Essen, 6000 für Ingolstadt. Oder Buchen. 5000 für Hannover. 10.000 für Paris. Bäume pflanzen. Es gibt schlechtere Kunst.

Joseph Beuys, 7000 Eichen. Stadtverwaldung statt Stadtverwaltung