
Abendhimmel


die kreuze waren längst abgeräumt, kraniche
zogen richtung norden, grau sein gewand
kurz vor mitternacht brannte das feuer
versperrt blieben die holzwege dem
wanderer, auf der suche nach der wahrheit
rastlos umherirrend, nicht lesbar die schrift
an den bäumen, das klappern der schnäbel
hallt über dem see, hermes grüßt von
weitem, die sümpfe der ebene längst
trockengelegt, schlaflos die wachsamkeit
bezirzend sein tanz in der frühen morgenstund



das unkraut kroch aus allen
erdritzen, von schnee keine spur
mehr, die schmale sichel des
mondes ragt über gilgamesch, könig
lear isst keine linsensuppe mehr
unter dem tisch liegt die ordnung
des tages, amseln streiten
sich über den besseren platz in
der sonne, ameisen suchen ihre
straße, mimosen allenthalben
helden schlafen auf der ofenbank


das fette brot der kalten tage
runtergetrunken, wände nicht
verrückt, dunkelrote wolken
rufen die nacht herbei, wecken
den mond auf, längst die spuren
von pergamon verloren, attalos
davongeritten, du schläfst einen
traumlosen schlaf, überall werden
dem dionysos tempel gebaut
polyphonie in den orkus gekippt, wahnsinnig
werden die schädel nach mitternacht, 100
gramm wodka sind das mindeste, längst
blühen die haselnussbäume, bier kühlt uns
ab, walfische fliegen heute durch die luft
grenzenlos sein wird der rausch, zu fuß
den heimweg angestrebt, die stimmen
rauschen davon, von babylon spricht
niemand mehr, lesbos das glück verloren