Franz: Andrà tutto bene #65

Michel Piccoli war gestorben. Franz hatte ihn sehr gemocht. Hatte ihn sogar einmal in den Kammerspielen gesehen. Ein Gastspiel. Mit Emmanuelle Béart. Sonderbar irgendwie, wenn man Schauspieler vom Film her kannte und sie nun auf der Bühne sah. Franz liebte das französische Kino und Piccoli war das Gesicht. In „La Belle Noiseuse“ hatte er den Piccoli als Maler gesehen. Doch mehr auf sein Model geschaut. Da war er nicht der einzigste Mann gewesen. Vier Stunden lang. Was für eine Idee von Rivette.  Den Krebse fangenden Piccoli in Louis Malles „Milou en mai“ hatte er nie vergessen. Was für eine Beerdigung. Was für ein Fest. Nicht vergleichbar mit der Trostlosigkeit der Beerdigungen in Zeiten von Corona. Die Luft wurde besser in Zeiten von Corona und doch ungesünder. Das Geniessen der Freiheit fiel Franz nicht in den Schoß. Franz hatte sich auch alte Filme mit Piccoli im Kino angesehen. Godard- Filme z.B., „Le Mépris“, mit der Bardot. Ein Film über den Film. Ein Schauspieler, der so viele anspruchsvolle Filme gemacht hatte, das man darüber sicherlich mehrere Dissertationen schreiben könnte. Derweil machte Alain de Botton auf Pessimismus. Pessimismus war nicht Franz sein Fall. Jetzt nicht. Sonst nicht. Natürlich nahm er das Leben nicht leicht. Mochte die Ernsthaftigkeit. Auch die Melancholie. Aber für Pessimismus sah er keinen Anlasse. Noch abends saß er auf seinem Balkon und hörte den Gesang der Vögel zu. Lau die Nacht zu werden versprach.

 

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