Chabarowsk: Sofia

Früher hatten in Chabarowsk die Kosaken das Sagen gehabt. Früher. China war nicht weit. Mit China hatte es oft Streitigkeiten gegeben. Groß war Chabarowsk geworden. Viele Menschen lebten in der Stadt. Nicht nur Russen. Immer schon auch Deutsche. Wenige. Sofia war mit dem Zug angereist für das Festival. Deutsch-Russische Kulturtage. Vier Tage war sie mit dem Zug angereist. Sie lebte nicht mehr in Chabarowsk. Studierte weiter weg. Sofia spielte im Orchester und wollte immer dabei sein. Jedes Jahr im Oktober reiste sie an. Sie liebte dieses Festival. Sie liebte ihre Heimatstadt. Und war doch weggegangen. Sie liebte den Amur. Der große Amur. Der kalte Amur, der, der sich so breit machte in der Stadt. Sie liebte den Amur im Winter, wenn er zugefroren war. Doch sie blieb nur einigeTage in der Stadt. Proben. Auftritt. Das Festival war groß. Es gab nicht nur Musik. Es gab auch Filme. Kunst. Die Menschen trafen sich. Am Rand der Welt. Am Pazifik. Im Osten von Russland. Sie spielte immer im Orchester mit. Ihre Eltern freuten sich, wenn sie kam. Ihre Großeltern auch. Ihre Mutter half immer beim Organisieren des Festivals mit. Es war ein Haufen abzusprechen. Ihre Mutter spielte auch Geige, doch sie trat nicht mehr auf. Sofia studierte Musik. Am Konservatorium in Nowosibirsk. Lange brauchte sie nicht mehr. Gerne würde sie eine feste Stelle im Orchester bekommen. Musik war ihr Leben. Sofia war mit einer Freundin angereist, die auch im Orchester spielt. Im Zug hatten sie ihr eigenes Essen dabeigehabt. Wie jeder. Obst. Gemüse. Geräucherten Fisch. Brot. Sofia aß gerne Fisch. Sie kam ja vom Amur. Zum Baden war ihr der Amur oft zu kalt gewesen. War lieber ins Hallenbad gegangen. Dann lieber im Winter Schlittschuh laufen. Chabarowsk hatte zwar einen Flughafen, doch das Fliegen war Sofia zu teuer gewesen. Dann lieber mit dem Zug. Es war immer was los bei der Zugfahrt. Man lernte sich kennen. Ob man wollte oder nicht. Sofia konnte gut im Zug schlafen. Diese gleichmäßigen Geräusche der Schwellen. Besser als Schafe zählen. Sie hatte immer ihren Schlafsack dabei. Sofia mochte Japan. Die japanische Kultur. Das japanische Essen. Ein paar Mal war sie dort im Urlaub gewesen. Mit dem Schiff. War ja nicht weit. Eine andere Welt. Eine schöne Welt. Hatte dort auch einmal ein Konzert gespielt. Vielleicht würde sie für ein Jahr nach Japan gehen. Hatte sich für eine Stipendium beworben. Tokio. Ein Jahr. Das wäre geil. Beethoven würden sie spielen in Chabarowsk. Beethoven. Und natürlich auch Tschaikowski. Der durfte nicht fehlen. Die 5. Sinfonie von Beethoven und Tschaikowski, ein paar Suiten. Das Publikum würde nicht meckern können. Zugaben standen noch nicht fest. Drei Proben würde es geben. Kein Problem. Und dann Tokio. So oder so. 

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