IN 11 SEKUNDEN: Ein Rad

Ach könnt ich nur, in 11 Sekunden, ein Rad schlagen, in 11 Sekunden, ich würd es tun, in 11 Sekunden, ich würd es tun. Und ach, wenn ich übermütig wär, gar 2, in 11 Sekunden gar 2.

Online Kurs Kunstgeschichte

Der Holzvollernter

Im Schnee, Franz? Im Schnee? Wann hast du zuletzt Schnee gesehen? Und wir? Wir sollen dort liegen? Im Schnee? Tempi passati. Die Bäume werden rar. Logistikzenter stehen liegend auf der Landschaft, Logistikzenter. Bäume hier und liegen noch, aber im Schnee? Kommen die Holzvollernter, die Holzvollernter, fixieren die Stämme, entasten sie, verarbeiten die Äste zu Hackschnitzel, transportieren die fertig geschnittenen Bretter weg. Bäume im Schnee? Es liegt kein Schnee nicht, liegt kein Bam nicht, Holzvollernter kommt und weg ist er, der Baum, weg. Verbunden, der Baum? Harvester, Harvester.

Franz Kafka, Die Bäume

Voll des Lebens Fülle

Große Fülle liegt, liegt auf dem Möbel, liegt. Äpfel und Apfelsinen, in großer Fülle. Dahingeworfen die Decke, weiß und faltenreich. Über quillt die Schüssel, über, voll der Früchte, saftig müssen sie sein, saftig, diese fülligen Früchte, saftig und übervoll die Schüssel. Fast, als rollten sie noch, fast, als wollten sie herunterfallen, die reifen Früchte. Kein Mangel nicht, kein Mangel, voll des Lebens Fülle liegt auf dem Möbel, liegt. Barocke Lust des Lebens, Sorgen fern das Bild, als Cézanne malte, Äpfel und Apfelsinen, in großer Fülle und Pracht, übervoll das Leben, reich und satt.

Äpfel und Orangen

Paul Cézanne, Äpfel und Orangen, um 1899

Als Jesus das Brot brach

Als Jesus das Brot brach, erkannten sie ihn, als brach das Brot er entzwei. Doch Brot nicht nur sie aßen, doch Brot nicht nur sie aßen. Was wäre das für ein Fest, würden wir das Brot nicht nur teilen, das Brot nicht nur. Den Fisch auch und das Fleisch, die Oliven und die Linsen, die Feigen und den Wein. Was wäre das für ein Fest des Lebens, brächen wir nicht nur das Brot. Die Köstlichkeiten alle, sie gehören zum Fest. Was wäre das für ein Fest des Lebens, teilten wir nicht nur das Brot. In Emmaus sie speisten richtig, die zwei Jünger und Jesus, sie speisten und es wurde warm ihnen ums Herz, wurde warm und sie verloren die Traurigkeit, verloren. Beim Abendmahl in Emmaus. Ein Fest des Lebens.

 

Abraham Bloemaert, Emmaus, 1622

Von welchem Eis nur

Von welchem Eis nur sollten befreit sein die Flüsse und Bäche, von welchem Eis nur? Seit Wochen grünt es und blüht und kreucht und fleucht, seit Wochen schon. Schnee, ach Schnee, so wenig gesehen, so muss nicht schmelzen die Frühlingssonne dich. Schnee, ach Schnee. Wer feiert schon noch die Auferstehung, wer feiert schon noch, zwischen all den bunten Schokoladenostereiern, wer feiert schon, nach langer Fastenzeit. Mensch sein, Mensch sein, wo darf ich sein?

Nach Emmaus gingen

Nach Emmaus gingen, nach Emmaus, zwei Jünger, der eine gewesen Kleopas, Kleopas und sie stießen auf ihn, den Gekreuzigten, den Gottessohn und sie erkannten, erkannten nicht, erkannten nicht ihn, den Erlöser.  Da legte er, der Gottessohn, ihnen, den Zweifelnden, den Ungläubigen dar die Schrift, legte sie aus, die Schrift, erklärte sie und als sie erreichten Emmaus, und als sie erreichten, die Jünger Emmaus,    Zu bleiben, sie flehten ihn an zu bleiben. Bleib bei uns, Herr, bleib bei uns, Herr, bleib bei uns, so lässt Bach sie flehen, die Jünger, so lässt Bach sie flehen, Abend ist geworden, Abend, so dunkel die Nacht, als fürchteten sie sich, als fürchteten sie, die Dunkelheit, die Nacht, die Einsamkeit, bleibe bei uns Herr, bleibe bei uns, so flehten sie. So blieb er und sie aßen, sie aßen das Brot, das er brach und den Fisch und sie erkannten ihn, sie erkannten ihn.

Caravaggio, Abendmahl in Emmaus

Bach, Bleib bei uns, denn es will Abend werden

 

Still wird die Welt

Der Mond, längst ist er aufgestanden, siehst du ihn dort, kannst ihn sehn? Die Sterne leuchten, am Firmament, sie leuchten, klar und hell. Noch sitzen Menschen am Cafetisch, noch und kämpfen gegen die Einsamkeit der Nacht. Noch kämpfen sie. Gegangen sind schon viele. Müd und leer wird sie werden, die Stadt. Und doch, hell und freundlich leuchtet, Arles, hell und freundlich bei Nacht. Der Sternenhimmel zieht in die Ferne, sehnsuchtsvolles Schauen, sehnsuchtsvoll, in der Einsamkeit der Nacht. Still wird die Welt, still, doch noch reden sie an, reden sie an. Bald wird es schließen, das Café, bald.

Café am Abend

Vincent van Gogh, Caféterrasse am Abend, 1888

Mensch, Otto

Mensch, Otto, was hast du nur für einen Hund? Hört hier und dort nicht zu, dein Mops, hört hier und da nicht zu. Aber doch, hier und, hier und da, liefert er das Gewünschte, hier und da. Komm, mach Platz, sitzt, bring, ein Hundeleben. Mensch, Otto, was für ein Hund. Und dann, mitten im Wohnzimmer, direkt vor deinen Füßen, Otto, direkt vor deinen Füßen lässt Jandl, lässt Jandl einfach deinen Mops, vor deinen Füßen. Mensch, Otto, das musste doch wirklich nicht sein, dass der Jandl deinen Mops vor deinen Füßen. Da hättest dem Jandl ruhig was sagen können, ehrlich.

Am Meer, am Meer

Warum sollte nicht, am Meer liegen Böhmen, warum sollte nicht? Du widersprichst? Hörst du nicht das Rauschen? Die Wellen. Der Wind trägt sie her. Kennst du es nicht, das Böhmerland, kennst du es nicht? Am Meer, dem großen, tiefen, am Meer liegt dieses Land. Ihr Bremer, Hamburger, ihr aus Le Havre und Marseille, ihr großen Seefahrer alle, wart ihr nicht dort? Ihr aus Genua und aus Lissabon, habt ihr nicht gesehen das Böhmerland? Im Böhmerland gedeiht, die Liebe gedeiht. Fahrt hin, ins Böhmerland, es liegt am Meer, den Weg hab ich vergessen, fahrt nur, es liegt am Meer, fahrt nur, am Meer, am Meer.

Vom Wechseln des Rades

Wer wechselt heute schon noch das Rad, das Rad, wenn der Reifen eine Panne hat? Führen nicht mehr mit, ein Reserverad, die modernen Automobile. Monströse Flickkästen sollen Sicherheit symbolisieren. Wer ausgepackt hat einen solchen Kasten, wird verlustig dieser Sicherheit, wird verlustig. Schon Brecht wusste dies. Und wartete am Straßenrand. Die Engel kommen in Gelb und wechseln doch nicht das Rad. Warten wir geduldig, warten wir. Der nächste Radwechsel kommt bestimmt. Wohin führt der Weg? Wollen wir dorthin? Geduldig warten wir, geduldig.