Der Morgensturm trieb wässrigen Schnee in dein Gesicht. Nikolaus längst abgereist. Gelbe Radfahrer kämpfen sich mühselig vor, kalte sind deren ihre roten Wangen. Schalmeien willst du spielen, jauchzet, frohlocket auf, preiset die Tage. Die Stimme muss geschont werden, fest gewickelt liegt der Schal um deinen Hals. Gänse geniessen noch die letzte Abendsonne. Hart schlagen die Pauken auf, an dem Stand rückt der Holzschnitzer seine Figuren zurecht, Spielzeugeisenbahnen werden entstaubt. Große Kinderaugen vor dem Schaufenster hoffen, schwer in der Luft liegt der Glühwein. Heiß die Bratwurst in deiner Hand. Der Schnee ist nicht geblieben.
Autor: orangeblau
Sehet, die zweite Kerze brennt

geduld
träume von schnee. laue wolken versprechen nichts gutes. auf dem radweg liegen die scherben der nacht. tausend windsbräute treiben uns voran. weit umkurvt werden die christkindlsmärkte. noch fest verschlossen grüßt uns die amaryllis von der fensterbank. neben ihr die barbarazweige. noch fern das christfest. geduld muss geübt werden. wunschzettel werden noch schnell geschrieben. die clementinen vom nikolaus rollen sanft über dem esstisch. die kinder von nebenan glauben auch nicht mehr an den weihnachtsmann. tempora labuntur tacitisque senescimus annis. wir, wir haben nicht die wahl. glühwein viel zu süß.
bachkantaten ohne kaffee #2
pfefferminztee am nachmittag, nasser dezembertag mit aufgerissenem himmel. am abend roter schein hinter schwarzen wolken. schneeferne wärme, der backofen wartet auf füllung, deine hände spielen auf dem klavier, vorbeifliegende küsse erheitern die luft, später risotto mit pilzen, tolstoi für den schnee. im keller liegt kein barolo, eine nasse brise fliegt um das haus, nackte bäume wiegen sich dahin. bachkantaten ohne kaffee. dein nacken färbt sich von den küssen.
Verloren im Nebel

adventskränze #2
des rheines lorelei die locken nicht geküsst, vorbei
rauscht der zug im fluge, matrazengruft unmodern
adventskränze in bunten farben liegen in der auslage
schneelandschaften begegnen uns nur im traume, uns
treibt die sehnsucht nach den bergen in den zug, einen
walzer wollen wir dort tanzen, später essen wir
käsefondue, das feuer im ofen wärmt unseren rücken
das himmelszelt strahlt bis in die küche
Raureif über dem Land

Kurz nach 7

Morgenstund

blinkende irrlichter
noch verträgst der fußboden keinen
christbaum , hölderlins birnen im keller
eingelagert, das zünglein an der
waage hat keinen ausschlag gegeben
längst durch die presse gejagt sind
die letzten äpfel, in der frühe grüßte
dich der erste frost durchs fenster
wang an wang trinken wir tee, schrill
kreischend zieht die straßenbahn ihre
erste schleife, müde gesichter hängen
an den fensterscheiben, blinkende
irrlichter vor mancher hütte