
Sonnenuntergang im Rückspiegel#vespa



im frühling knallen keine schneebeeren, keine
kastanien fallen herab, explodieren wollen die
blütenknospen, geschwind schiebt der wind
die wolken aus der sonne, der sperling baut sein
nest, die tochter des priamos schaut hin und wieder
nach dem rechten, das unheil kommt und geht
troja liegt in schutt und asche, über seinen ruinen
zart blüht der mandelbaum, Kassandra, deine
Schwester, hat es immer schon gewusst, schlecht
erging es dir, polyxena, vergebens die liebe
war vom archilleus, rosa leuchtend die blüte

mene. vorbeigerannt an den huren der
nacht, hinter den stadttoren kein
gilgamesch gefunden, unsichtbar
das menetekel, kalte klauen greifen
nach dir
tekel. das gegengift trügerisch
die toten gefährten segeln auf dem
geisterschiff davon, homer schlägt
dir keine lösung vor, belsazar schwindet
dahin, zu leicht befunden auf der wage ist
u-parsin. nicht mehr wird
sein das reich dein. der tod wird
kommen bald, das abendessen dir
nicht mehr munden, unausweichlich
das unglück
die kargen tage kommen, vorbei
alle füllerei, memento homo, quia
pulvis es et in pulverem reverteris
längst aus dem paradies vertrieben
verloren alle unschuld , büßergewänder
sind außer mode gekommen, beichtstühle
nur selten aufgesucht, schuld hat eh der
andere, durchbrechen das traurige grün
die krokusse, kalt bläst der ostwind uns
die backen rot, als wär längst besiegt der
winter liegen die handschuhe in der schublade
verbrannt die palmzweige, dein küsse
sind nicht unschuldig, deine lippen
wollen nicht weichen


hinter den schneewolken versteckt harrte der
mond auf seine anrufung, auch die sterne
wollten ihren glanz nicht verstecken, im
gehölz verirrte stadtnomaden auf der suche
nach dem glück, das ende der erde ist immer
woanders, steine versperren den weg, die
lange reise hat ihr ziel noch nicht erreicht
unsere seelen in der dunkelheit verloren
halt noch suchend, verloren
unter den eisigen apfelbaumästen flüchtige
küsse, glitzernde sterne liegen auf der wiese
und tanzen davon, der große bär wird erst
später angerufen, schneewasser aus den
bergen bringt der fluss, die kiesel haben
ihre heimat verloren, haltlos scheint die liebe
in der kälte, raben ziehen am himmel, die
glätte des eises macht ein verbleiben
unwahrscheinlich, das klavier verstimmt