
Leben in der Stadt


weiß blüht der giersch. flink
auf und ab den baum läuft der
kleiber, als wäre ein specht er.
dolden des holunders geerntet hast.
klebt einfach zu die höhlen der
anderen. kopfüber. wenn er will.
kopfüber läuft er. mit nimmt der
lech die steine der berge. forellen
ziehen kreise, auf der lauer
der hecht. auf den kiesbänken
sonnenbad nach der last des
tages. kein landregen in sicht.
bierauslieferer liefern bier aus.
bierkiste auf bierkiste. azurblau
der himmel über den auen. laut
singt der kleiber.
hollerküchle im mund.

berggeister verjagt, raupen hinterlassen
riesige löcher in der flora, auf
dem schimmel sitzt kein prinz, der blaue
eisenhut leuchtet weit, den harnisch
abgelegt, schnecken haben sich ins
haus verzogen. nadelstiche unter der
haut, längst sind die kühe auf der alm, müde
belächelt das butterfass, allenthalben
rübezahl weggehüpft, der wind pfeift sein
lied zwischen den kiefern

hirtenknaben hüten keine schafe
mehr, gedichte sind der bukowina
verloren gegangen. der frühling
frisst das blatt, der wind treibt, langsam
fährt das rad um die ecke, mohnblumen
am wegesrand
Langeweile. Die Frage nach der Meisterschaft. Große Langeweile. Spannend war die Bundesliga nicht. Die anderen Mannschaften hatten die Hosen voll oder was auch immer. Zumindest würden sie nicht Meister werden. Schon wieder nur die Bayern. Spannung ging anders. Franz war ja eher für die 60ziger. Die Demonstranten hatten scheinbar Urlaub gebucht. Zumindest war auf der Theresienwiese wenig los gewesen. Franz und Maria waren über Pfingsten bei Freunden am Chiemsee. Luftveränderung würde ihr Gemüt erfreuen. Gegen die Langeweile. Gegen den Gleichmut. Differenzen zum Alltag. Ein paar Tage am See. Ein wenig Radeln. Bergsteigen. Faulenzen. Fisch essen. Am Abend saßen sie am Feuer und grillten Steckerlfisch. Das Feuer wärmte. Kühl war die Luft. Grau die Wolken am Himmel gewesen. Fast schlich sich eine Leichtigkeit ein bei Franz und Maria. Fast schienen sie sorglos. Dachten laut über Urlaub nach. Der Rotwein ging nicht aus. Das Feuer auch noch nicht. Später vereinzelt Sterne durch den verhängenden Himmel.
Natürlich. Alles wird gut. Natürlich. Franz war die meiste Zeit seines Lebens Optimist. Dachte er. Auch wenn er nicht immer lachte. Auch wenn er nicht immer Witze machte. Melancholie mochte Franz. Aber keinen Pessimismus. Die Bild – ist das eigentlich eine Zeitung? – schoss weiter scharf auf Drosten. Grobes Gefecht. Schwerer Säbel. Kein Florett. Trump ist auf sein liebstes Spielzeug Twitter sauer. Reagiert wie ein beleidigtes Kind. Oder wie ein dummer Alleinherrscher. Franz hatte Trumps Vorgänger gemocht. Wie viele Deutsche. Und eher für unmöglich gehalten, dass Trump eine Mehrheit bekommt. Auf bayrischen Seen fuhren wieder die Ausflugsschiffe. Franz fuhr gerne mit der Fähre zur Fraueninsel. Am allerliebsten aber mit einem Boot der Freunde. Weiß und blau der Himmel über der Isar. Nur hier und da ein paar Regentropfen. Der Münchener Flughafen rüstete sich für die weite Ferne. Ach, was würden das für Zeiten. Nicht, das Franz wegfliegen wollte. Aber alleine die Möglichkeit. Alles wird gut. Wenn die Leute vorsichtig sind. Die Zahl der Neuinfektionen sanken in Deutschland. Auch in München. Am Abend würden Franz und Maria mit Freunden ins Restaurant gehen. Eine kleine Sünde musste sein.

der musenkuss brachte atemnot
plusschlag ging in den keller, als
würde sein körper sämtliche lebensfunktion
einstellen wollen, barfuß stolperte er
über die alten dielen der fantasie
bücherregale kamen zum einsturz
fünfhundert kilo auf seiner brust
wild schossen blitze durch sein
gehirn, diskriminierung der verstaubten
sein schreibtisch noch weit entfernt, schön
war die muse, schön, ihr busen drückte schwer