hollerküchle

weiß blüht der giersch. flink

auf und ab den baum läuft der

kleiber, als wäre ein specht er.

dolden des holunders geerntet hast.

klebt einfach zu die höhlen der

anderen. kopfüber. wenn er will.

kopfüber läuft er. mit nimmt der

lech die steine der berge. forellen

ziehen kreise, auf der lauer

der hecht. auf den kiesbänken

sonnenbad nach der last des

tages. kein landregen in sicht.

bierauslieferer liefern bier aus.

bierkiste auf bierkiste.  azurblau

der himmel über den auen. laut

singt der kleiber.

hollerküchle im mund.

kiefern

 

berggeister verjagt, raupen hinterlassen

riesige löcher in der flora, auf

dem schimmel sitzt kein prinz, der blaue

eisenhut leuchtet weit,  den harnisch

abgelegt,  schnecken haben sich ins

haus verzogen. nadelstiche unter der

haut, längst sind die kühe auf der alm, müde

belächelt das butterfass,  allenthalben

rübezahl weggehüpft, der wind pfeift sein

lied zwischen den kiefern

farne im wind

 

hirtenknaben hüten keine schafe

mehr, gedichte sind der bukowina

verloren gegangen. der frühling

frisst das blatt, der wind treibt,  langsam

fährt das rad um die ecke, mohnblumen

am wegesrand

Franz: Andrà tutto bene #76

Langeweile. Die Frage nach der Meisterschaft. Große Langeweile. Spannend war die Bundesliga nicht. Die anderen Mannschaften hatten die Hosen voll oder was auch immer. Zumindest würden sie nicht Meister werden. Schon wieder nur die Bayern. Spannung ging anders. Franz war ja eher für die 60ziger. Die Demonstranten hatten scheinbar Urlaub gebucht. Zumindest war auf der Theresienwiese wenig los gewesen. Franz und Maria waren über Pfingsten bei Freunden am Chiemsee. Luftveränderung würde ihr Gemüt erfreuen. Gegen die Langeweile. Gegen den Gleichmut. Differenzen zum Alltag. Ein paar Tage am See. Ein wenig Radeln. Bergsteigen. Faulenzen. Fisch essen. Am Abend saßen sie am Feuer und grillten Steckerlfisch. Das Feuer wärmte. Kühl war die Luft. Grau die Wolken am Himmel gewesen. Fast schlich sich eine Leichtigkeit ein bei Franz und Maria. Fast schienen sie sorglos. Dachten laut über Urlaub nach. Der Rotwein ging nicht aus. Das Feuer auch noch nicht. Später vereinzelt Sterne durch den verhängenden Himmel.

Franz: Andrà tutto bene #75

Natürlich. Alles wird gut. Natürlich. Franz war die meiste Zeit seines Lebens Optimist. Dachte er. Auch wenn er nicht immer lachte. Auch wenn er nicht immer Witze machte. Melancholie mochte Franz. Aber keinen Pessimismus. Die Bild – ist das eigentlich eine Zeitung? – schoss weiter scharf auf Drosten. Grobes Gefecht. Schwerer Säbel. Kein Florett.  Trump ist auf sein liebstes Spielzeug Twitter sauer. Reagiert wie ein beleidigtes Kind. Oder wie ein dummer Alleinherrscher. Franz hatte Trumps Vorgänger gemocht. Wie viele Deutsche. Und eher für unmöglich gehalten, dass Trump eine Mehrheit bekommt. Auf bayrischen Seen fuhren wieder die Ausflugsschiffe. Franz fuhr gerne mit der Fähre zur Fraueninsel. Am allerliebsten aber mit einem Boot der Freunde. Weiß und blau der Himmel über der Isar. Nur hier und da ein paar Regentropfen. Der Münchener Flughafen rüstete sich für die weite Ferne. Ach, was würden das für Zeiten. Nicht, das Franz wegfliegen wollte. Aber alleine die Möglichkeit. Alles wird gut. Wenn die Leute vorsichtig sind. Die Zahl der Neuinfektionen sanken in Deutschland. Auch in München. Am Abend würden Franz und Maria mit Freunden ins Restaurant gehen. Eine kleine Sünde musste sein.

Musenkuss

der musenkuss brachte atemnot

plusschlag ging in den keller, als

würde sein körper sämtliche lebensfunktion

einstellen wollen, barfuß stolperte er

über die alten dielen der fantasie

bücherregale kamen zum einsturz

fünfhundert kilo auf seiner brust

wild schossen blitze durch sein

gehirn, diskriminierung der verstaubten

sein schreibtisch noch weit entfernt, schön

war die muse, schön, ihr busen drückte schwer