vier tage vor weihnachten


die fleischerhaken im kühltransporter
leer, murmeltiere haben das weite
gesucht, verrutscht der wörter hall,
keine milch gibt heut die ziege, ein
lächeln läuft über dein gesicht
blätter verloren im dezembersturm
die buchenhecke, längst entzweigerissen
dein herz, verflogen im föhn der tage, im
regal des vorratkellers die ernte
des mirabellenbaumes unaufgeräumt
stapeln sich die blätter, die
morgengymnastikfindet täglich
im kopf statt

nah die wintersonnenwende

horizont in schichten aufgeteilt, nah
die wintersonnenwende, spät erst
ruft der tag, vermeers briefleserin
am himmel, den schwalbenflug des
sommers längst vergessen, die sehnsucht
nach den weißen schneekristallen treibt
uns in die kalten berge, die weisen sind
längst auf dem weg, den stern folgend
letzte tage zählt die gans, im rohr
schmoren boskoopäpfel, rot die wangen
horizont in gelb, rot, türkis

das blau des himmels nicht zu sehen


das blau des himmels nicht zu
sehen, der schwarze kaffee schlägt
dir aufs gemüt, viel zu mild
schmeckt dir der senf auf der


bratwurst, verloren das blau
nicht gesehen heut den alten
feuerball, auf beutejagd die
elster vor dem fenster, tannen


lehnen sich am zaun an und
warten auf ihre neuen besitzer
fern der blüte steht der barbarazweig
in der vase, nicht zu sehen das blau


der zander im see lacht müde den
angler aus, auf unserer zunge
brennt der obstler, das blau
des himmels nicht zu sehen

balalaika


weil so nass weil so grau der wind
um die ecken pfiff, die adventskerzen
löschte er, krampus verglüht, du
brachtest kipferl mir, clementinen


fielen aus deinem korb, narzissen
könnt´ich in die erde stecken für
das frühjahr, nackt und knorrig
stehen die eichen am ufer des lechs


zersprungene herzen laufen im
wintermantel, balalaikaklänge von der
wolga, slavnoje morje, svjasennyi


baikal, zerknittertes laub flirtet mit
deinem haar, lang das schweigen der
vögel, weil so schwarz der himmel

3. advent #2

winterlicher nebel lag schwer auf dem
gemüt, sonne vergessen, nur die kerzen der
nacht erhellten, ach jauchzet, getröstet das

volk, getröstet er, unter den händen den christstollen
die domsingknaben geben ihr bestes, zarter schnee
liegt wie ein weißer teppich über den auen, eilige

holen ihren schlitten, ochs und esel wärmen sich
im stall, christsterne stehen auf der fensterbank
leere glühweinflaschen auf dem bürgersteig

mit frierenden händen laufen wir durch
die sternennacht, uns leuchet der mond heim
ach jauchzet, frohlocket

lametta #2


großmutter hatte immer reichlich lametta
gehabt, ihr christbaum war ein
nachkriegswunder, kleine bunte
kugeln, umgarnt von einer noch bunteren


elektrolichterkette großzügiges lametta
deckte die kunsttanne liebevoll zu
cy twomblys bewegungen ziehen
kreise, tableau über tableau, maria


längst auf dem weg, krähen stürzen sich
über das feld, jäger kommen ohne
beute aus dem wald, feuchte luft


erzählte nicht vom schnee, durch
die laubberge radelst du schnell
den küssen entgegen