Café Praha

Als er noch jung war, war er oft im Café Praha gewesen. Gerne kleines Frühstück. Tasse Kaffee, 2 Brötchen, Konfitüre 40 g, Butter 10 g, 1 eingekochtes Ei. Er hat nie nachgewogen. Alles akkurat aufgeführt. Deutsches Frühstück eben. Die Deutschen waren ordentlich. Immer schon. Ost wie West. Er selber hasste Unordnung. Das Café Praha war ordentlich. Selten nahm er das große Frühstück. Mit Kännchen. Aufschnitt. Hatte 4,50 gekostet. Das kleine nur 1,95. Das konnte er sich gut leisten. Gerne verabredete er sich hier mit Frauen. Die liebten das Café. Gerne spendierte er dann ein Eis. Eisbecher Carmen kam gut an. Dann musste er sich keine Sorgen machen. Dann lief alles wie geplant. Er suchte immer ein Abenteuer. Und neue Mitarbeiterinnen. Sein Staat musste gewappnet sein. Brauchte Informationen. Ein Eisbecher Carmen war da schon drin. Aber er musste natürlich liefern. Nur Vergnügen ging nicht. Er brauchte Informationen. Immer wieder. Immer neue. Er saß gerne im Café Praha. Wegen ihm hätte die Mauer nicht fallen müssen. Er mochte die DDR. Liebe wäre zuviel gesagt. Sie war übersichtlich. Später trank er eine Club-Cola.

Der Schnee

Der Schnee bringt nicht nur Schönheit. Er fuhr sommers wie winters. Von Ost nach West. Von West nach Ost. Weit waren die Straßen. Hier und da Halt. Zum Essen. Zum Trinken. Für die Nacht. Der Schnee kann heftig sein. Sturm ihn tragen. Die Sicht wird nicht besser. Die Straße schmaler. Langsamer fahren die Autos. Es wird seltener überholt. Meistens. Manche fahren schneller. Manche auch zu schnell. Schauen in den Rückspiegel. Bäume stehen am Rand, Häuser. Dunkelheit kommt schnell. Weiße Wand vor Augen. Er konnte nicht mehr bremsen. Das entgegenkommende Auto hatte keine Chance. Sein LKW hatte viel mehr Masse. Er hatte Glück gehabt. Masse. Er hatte Glück gehabt. Nicht nur Schönheit bringt der Schnee.

Heißmangel

Das Bier war ihm lieber in Berlin. Hier konnte er immer noch zum Spätkauf gehen, wenn der Durst kam. Und er hatte oft Durst. Seine Frau schimpfte ihn hin und wieder. In letzter Zeit öfters. Doch er verdiente gutes Geld. Arbeitete für ein Ministerium. War dort begehrt. Kam oft erst spät heim. Am Wochenende besuchte er manchmal seine Mutter. Die lebte in Brandenburg. An der Havel. War ihm zu klein gewesen. Zu spießig. Seine Mutter war immer in Brandenburg geblieben. Wie seine Großmutter. Mutter hatte eine Heißmangel betrieben. Keine große Sache. Immer viel Arbeit. Bettwäsche. Tischdecken. Tom hatte den Duft der frischen Wäsche immer gemocht. Tom hatte die Falten von der Mangel immer geliebt. Aber hatte die Kleinstadt immer gehasst. Ist nach dem Abitur sofort nach Berlin gegangen. Hat dann auch in den USA studiert. Das Geschäft der Mutter gab es schon lange nicht mehr. Nur das alte Schild hing noch über dem Fenster. Der Putz viel von den Wänden. Das Haus hatte schon bessere Zeiten gesehen. Jeden Tag hatte sie Wäsche gemangelt. Nur nicht am Sonntag. Urlaub war drin gewesen. Zwei Wochen im Sommer. An die Ostsee. Weiter war sie nie gekommen. Weiter hatte sie nie gewollt. Danach hatte sie wieder aufgesperrt. Heute taten ihr oft die Beine weh. Krampfadern. Vom vielen Stehen. Sie hatte immer gearbeitet. Den Vater von Tom hatte sie früh weitergeschickt. Viel zu früh geheiratet. Viel zu früh das Kind bekommen. Auch heute mangelte sie noch Wäsche. Für Nachbarn. Ihre Rente war knapp. Von Tom würde sie kein Geld annehmen. Dazu war sie zu stolz. Tom durfte nicht wissen, dass sie noch ein wenig dazu verdiente. Tom blieb nie lang in Brandenburg. Früher war er öfters hingefahren. Tom holte noch ein Bier. Wenn er in Brandenburg war, musste er danach immer ein Bier trinken. Der Spätkauf hatte noch auf. Der Spätkauf hatte immer auf.

Lotophagen

Aufgewühlt das Meer, stürmisch, Wut steckte in
der See, glücklich sprangen die Fische zuhauf.
Lotusblumen trugen die Gärtner hinauf,
Odysseus Mannen kamen bald daraufhin.

Zufrieden aßen und tranken sie, sangen.
Die Blüten schmeckten ihnen ganz vorzüglich,
sie machten leicht und das Leben erträglich
Heiter und fröhlich ihre Lieder klangen.

Honigsüß schmeckte ihnen unser´ Blüten
Heim wollten sie nicht, glückselig sie schienen
Odysseus wollt sie von der Insel trennen.

Fesselte er sie auf dem Schiff mit Seilen,
fort riss er sie von unserer schönen Insel.
Die Frauen verfallen in ein Gewinsel.

Penelope

Die Schönheit der Penelope hatte sich
weit herumgesprochen, zum Wettlauf kamen
viele Hochzeitsbewerber, Helden waren
sie, Odysseus bekam die Schöne glücklich.

Als umherfuhr in der Welt der Ehemann
ertrug sie das Alleinsein nicht sehr lange.
Viele Freier stürmten an ihre Wange,
sie zog rasch viele Recken in ihren Bann.

Besonders Antinoos lag zu ihren
Füßen, das Totentuch ließ sie andere
weben, sie verzehrt sich bald nach Küsse.

Zwanzig Jahre war der Kerl weggefahren,
der Schuft, der Untreue, alleingelassen.
Die ganze Jugend, sie wollt nicht verprassen.

Kalypso

Grün war Ogygia, Olivenbäume und
Wein wuchs hier genug, Kalypso lebte gern
dort, sie liebte die Ruhe, lauter Lärm fern.
Schweine und Ziegen im Garten, ihr Haus bunt.

Sieben Jahre lebte sie glücklich auf der
Insel mit Odysseus, schenkte ihm Söhne,
zwei wunderbare, prächtige und schöne.
Am Morgen schwammen sie im tiefblauen Meer.

Als Hermes ankam, musste Kalypso ihn
gehen lassen, er musste auf die Reise,
schon lang wartete auf ihn Penelope.

Werkzeug gab sie ihm für das Floß , hat verziehn
schenkte ihm gute Westwinde für die Fahrt
Schenkte Proviant, erzog die Knaben zart.