Konsequenzen

Dahin floss das Leben in großen Zügen, über
den Weinkeller wurde kein Wort verloren. Aber
Neid sollte keine Rolle spielen. Der Durchhänger
kam beim Fasten, der Mönch ertragen deinen Ärger

musste. Vergeltungen waren nicht vorgesehen.
Die Liebe wurde angestrebt, Ruhm vergeht immer
viel zu schnell, vor dich stapeln sich heilige Trümmer.
Nichtigkeiten vergehen, die Hoffnung bleibt bestehn.

Staub wird, der Wind verweht schnell die Reste des Körpers.
Donnernde Wolken ziehen über die hohe Stirn,
im Labyrinth konntest du dich stets heillos verirrn.

Asche zu Asche, die Münder küssen sich öfters,
warme Lippen wandern über deine Sommerhaut.
Auf den Feldern Wiesenblumen lächelten vertraut.

Beständiger Fluss

Ausgetrocknet längst die schwarztiefen Seen der Nacht,
verbrannt die wilden Kräuter der feuchten Milchwiese.
Vom Meer her tobt um deine Ohren eine Brise,
vom Himmel geholt hast du die goldne Sternenpracht.

Durch den Tannenwald schreit deine tiefe Einsamkeit
vergehen die Eitelkeiten nach dem Tageslauf.
Atem holend fliegen die Eulen ums Haus zuhauf.
Alte Todesengel haben keine Reisezeit.

Das Elend der Menschen verschwimmt schnell am Horizont,
laufende Träume bleiben bis am Morgen verschont.
Duftende Wiesenblumen wirst du bald hier finden.

Verschmolzener Schnee liegt unter den toten Buchen,
die großen Rechnungen hast du längst überwiesen.
Schon lange sitzen wir unter den grünen Linden.

Genever

Unerträgliche Kälte zog rein in die Glieder.
Auf dem blitzblanken Seziertisch war noch ein Platz frei,
Haltung kann man hier nicht mehr verlieren nebenbei,
der frische Wacholder musste in den Genever.

Am Ende der Wirrungen und Irrungen ist Schluss.
Nebelschwaden ziehen über die schwarzgrüne Maas.
Das lange Leben bringt dir nicht immer irgendwas,
zu spät für mehr landet auf der Stirn der zarte Kuss.

Der Alkohol umspült rasch deine müde Zunge,
für immer geschlossen der müden Augen Lider.
Zu viel Gewese war ihr hier immer zuwider.

Um deinen blonden Kopf ziehen kreischende Vögel,
aus der hintersten Ecke lugt der alte Teufel.
Schwarzes Wasser tropft aus der durchlöcherten Lunge.

Melancholie

Und Nacht und Tag verfliegen im flinken Flug der Zeit.
Rasch verlassen die letzten Züge die verdorrte
Stadt. Der tiefe Schmerz der Sehnsucht sich verlängerte,
Tränen laufen reich, vergangen längst die Heiterkeit.

Fahl das Licht des Mondes, die Bäume kahl im rauen
Wind. Der Zugführer pfeift zur Abfahrt, schnell springen die
letzten Liebenden in den Waggon. Und irgendwie
springt das Herz entzwei. Wir können uns nicht anschauen.

Totengeister hüpften durch die Nacht, tranken, tanzten,
leer blieben die Betten, trotz Kälte, viele Stunden.
Alte Götter wir in den kalten Keller bannten.

Schwarze Galle spucktest du schwermütig an die Wand,
schnell hast den wirren Alptraum an das Rad gebunden.
Die Nacht ist aus, frischer Morgenwind weht über´s Land.

Ödnis

Den öden Wüsten der dunklen Meere entkommen,
durch deine müden Glieder schießt rasch die Einsamkeit.
Kreischende Möwen um dein Haupt ziehen jederzeit,
den Kampf um das Abendessen sie längst gewonnen.

Entkommen die Gebeine der finstren Hölle nicht.
Verlassen haben die Rehe längst den alten Wald.
Holzplanken des bunten Schiffes sind wild bemoost bald.
Vorbei die Sonn`, die blutleere Nacht den Tage bricht.

Verlorene Gedanken tauchen am Horizont
auf, dein Haar erleuchtet im frühen Morgenlicht blond.
Hohe Wellen klagen gegen die rauen Felsen.

Langsam hüpft die Hoffnung über das harte Parkett
Lautes Lachen springt laut über die Wellen perfekt,
geschwinde die Gedanken in die Ferne sausen.