
Wenn der weiße Flieder …


Den weißen Berg nicht gefunden
Verloren die Pfade, Kiefer an Kiefer
Der Wind hat sie längst gedrückt schiefer
Längst sinkt die Sonne. Abendstunden
schreien die Nacht herbei. Vertan
die Zeit, als würde hinfahren das Leben
Gähnend der Wald, ganz ohne Streben.
Längst suchst du nicht mehr den Enzian.
Nicht zu fassen der Sternenhimmel Glanz
Stern auf Stern herausgeputzt und doch
Einsamkeit fährt in die Glieder ganz.
Der müde Körper fällt in den tiefen Traum.
Auf den Schultern spürst du das schwere Joch.
Früher Morgen lässt dich hoffen kaum.

Den Mund voll mit Beeren
rot und süß und sauer, voll
des Lebens, der nahe Sommer quoll
aus allen Ritzen, belehren
die zarten Lippen der Erinnerung.
Tief dringt die Süße in den Gaumen.
Viel später erst reifen die Pflaumen.
Das Hirn träumt von Auslagerung.
Wach die Nerven nach der Säure.
Der Blumen Duft steigt weit hinauf
Schwüre der Liebe wild beteure
In der Eisdiele steigt der Verbrauch
später erst schaffen wir den Berglauf.
Von der Liebe erzählt der Windhauch.
Der Wind erzählt. Ein Hauch. Von der Liebe
gar. Flüchtig. Als wäre nicht. Die süße Luft
im Ohr. Aphrodite ist ganz ausgebufft
sie tut, als ob – zum Schein – sie länger bliebe.
Das Dasein in der Welt in ihren zarten Armen
Applaus wird es nicht geben. Das Herz läuft
In den grauen Keller. Dort stapelt sich, angehäuft
der Liebe süßer Duft. Als gäb´s kein Erbarmen
Geschlossen die Fenster längst. Abgeräumt
die Fensterbank. Geranien längst verblüht.
Die Äpfel fallen schon. Du schaust verträumt.
Trauern die Blüten lang, Schnee wird vertreiben
die Reste. Die Sonnenstrahl haben dich behüht
Ortlos die Seele und kann nicht bleiben
Unaufhörlich hämmert der Specht
treibt seine Löcher fort und fort
des Baumes Liebe ist ihm kein Fremdwort
bevor der Nachbar immer weiter zecht
Die Schreie des Kuckucks sind kein Gesang
Verflogen deine Küssen nach Mitternacht
gekommen ist nur die zerrissene Zwietracht
rasch verlieren sich deine Schritte im Hausgang
Leise atmet der Bergsee frische Luft
deine Liebesschwüre sind längst verpufft
still läuten die Narzissen ihr Lied
Kalte Einsamkeit schleicht sich geschwind
in die Glieder, über die Dächer der Ostwind
pfeift ein raues Ade zum Abschied
Was heißt schon Abschied nehmen
Nicht weit fliegt die Wildgans mehr
Die Kälte der Nacht folgenschwer
Kein Nachtzug fährt nach Jemen
Ein Winken schon nicht mehr zu sehen
Traurige Blüten erzählen nicht mehr
Zerrissen kommen die Worte daher
Längst überflogen die blauen Chausseen
Windige Lüfte umgaben deine kalten Lippen
Des Frühlings Herbststurm wild umtost
Der Liebe Gerümpel nur noch wegzukippen
Über die Hügel hallt des Vogels Geschrei
Kein Ort nicht spendet dir den Trost
Ortlos verloren ganz ohne Bohei
Apfelbaumblüte
Der knochrige Apfelbaum an der Hauswand blühte
noch zart die kleinen grünen Blätter in den Mai
hereinragen, auf der Holzbank liegt nebenbei
dein Glück, bevor es im lauten Regen verglühte
Von des Wetter Laune tief Ins Gesicht geschlagen
liegen die Falten des Lebens dir zur Zierde
Noch nicht aufgehört hat deine unstillbare Neugierde
über dein Essen wird sich der Enkel nicht beklagen
Länger nicht mehr besucht die Maiandacht in der Kirche
Nicht mehr tragen die Knie deinen Leib so weit
An der Wand in der Stube hängen die erlegten Hirsche
Deinen Gustav hast du längst zu Grabe getragen
Beim Gedanken an den Enkel überkommt dich Heiterkeit
Als könntest fliegen laufen deine Füße an diesen Maitagen