Nein, Franz ging nicht oft in Baumärkte. Warum auch. Doch heute hatte er gemeint, dass er eine neue Lampe bräuchte. Die alte war durchgebrannt oder was auch immer. Kaputt. Nichts ahnend schwang sich Franz aufs Rad, der Himmel war blau, lau die Luft und mehr Polizisten als sonst unterwegs. Vor den heiligen Hallen des Baumarktes fiel ihm schon eine gewisse leere auf den Parkplätzen auf. Nicht dramatisch, aber doch irgendwie mehr Platz als gewöhnlich. Vor der Tür gab es eine Einlassregulierung. Als würde er ins P1 wollen. Nach kurzem Warten Eintritt. Sicherheitsdurchsagen allenthalben. Bitte bewahren sie Abstand. Abstand. Mindestens. Franz hatte schnell die Leuchtmittelabteilung erreicht und die Halogenlampe gefunden. Zügig, er wollte nicht länger stören und bleiben, ging er zur Kasse. Bewahren sie bitte den Sicherheitsabstand ein. Bezahlung nur mit Karte erlaubt. Kleinere Beträge bezahlt Franz eigentlich mir Bargeld. Doch die Zeiten waren anders. Die Kassiererin hatte jetzt eine Plexiglasscheibe vor dem Gesicht. Hatten die Heimwerkprofis geheimwerkt. Draußen fühlte sich Franz wohler. Draußen war es wunderbar. Draußen schoß der Frühling die Blumen aus der Erde. Sprengte die Knospen auf. Blau der Himmel. Himmelblau.
Autor: orangeblau
Franz: Andrà tutto bene #5
Franz hatte noch genug Toilettenpapier. Doch zu kaufen hätte es wieder keins gegeben. Seife dagegen wäre dagewesen. Und ein Kamerateam, welches leere Regale filmte. Vor dem Laden lungerten gelangweilte Jugendliche herum. Ach, bleibt doch daheim. Sonst kommt bald keiner mehr raus. Radfahrer und Spaziergänger sah man jetzt auch während der Woche mehr. Spielplätze verwaist. Die Kanzlerin hatte eine ernste Rede gehalten. So langsam sollte jeder verstehen, das Corona kein Scherz ist. Maria bekam einiges mit von ihrer Familie. In Florenz war die Situation anders als in Cremona. Doch Ausgang nur mit Passierschein und dies in einer freien Welt. Daran mussten sich alle schnell gewöhnen. Franz hatte auf dem Balkon ein wenig geschrieben. Während die Vögel ihr bestes gaben. Frühling eben. Balzzeit. Im Innenhof blühten Krokusse und Narzissen. Franz fuhr zwar noch wie immer mit dem Rad, doch abends war er jetzt immer daheim. Cafés und Restaurants waren am Abend geschlossen. Kinos zu. Theater zu. So las er Maria etwas vor. Oder sie skypten. Balkonkonzerte gab es in München noch nicht. Zumindest nicht in Obergiesing. Strahlend der Himmel gewesen. Unschuldig schön. Azzurro. Himmelblau. Il pomeriggio è troppo azzurro.
Franz: Andrà tutto bene #4
Wolken verdeckten in der Früh den blauen Frühlingshimmel. Der Himmel, der das Glück verspricht. Regentropfen fielen. Nur ein paar wenige. Nicht weiter schlimm. Doch Balkon erst am Nachmittag. Noch war Franz nicht bereit, auf dem Balkon zu singen. Lieber mit Maria am Computer. Igor Levit gab jetzt tolle Heimkonzert für alle. Sicher. Im Konzertsaal wäre es schön, doch so auch ein Trost. So langsam wurde es auch in Deutschland anders. Shoppingexzesse nur noch online. Doch sein Konto hatte eh schon bessere Zeiten gesehen. Heute hatte er mit Maria Ravioli gemacht. Mehl war genug daheim, doch für die Füllung musste er Ricotta einkaufen. Lebensmittel einkaufen machte er gerne. Weg vom Schreibtisch, frisch Luft schnappen, kleine Runde mit dem Rad. Konnte auch größer werden. So langsam wurden die Leute sonderbarer. Die ersten trugen Masken. Türen wurden lieber mit den Füßen aufgemacht. Manche blieben auch daheim. Leerer wurden die Straßen. Die Luft besser. Franz Laune schwankte ein wenig. Menschen brauchte er. Zum Glück war die Sonne am Nachmittag rausgekommen. Narzissen lächelten aus den Vorgärten.
Franz: Andrà tutto bene #3
Der Wettergott meinte es gut. Home office auf dem Balkon für alle. Gut, Franz ging auch sonst nicht ins Büro. Höchstens in die Bar zum Arbeiten. Oder verdiente mit der Band Geld bei einem Auftritt. Diese Möglichkeiten vielen gerade weg. Doch was soll’s. Franz verdiente ja auch mit dem Schreiben Geld. Zumindest etwas. Es würde reichen. Miete musste er ja eh keine zahlen. Da hatte er Glück. Verhungern musste er nicht. Maria auch nicht. Nudeln waren genug da. Maria lange abends immer via Skype mit. Die Strophen der Nationalhymne kannte sie noch nicht alle auswendig, Aber sie würde sie jetzt lernen. Franz auch. Franz konnte sich die Deutschen noch nicht auf dem Balkon singend vorstellen. Doch die Maßnahmen in Deutschland wurden schärfer. Die Engländer sind verrückt und wollen sich alle anstecken. Da war dem Franz die Merkel und der Söder lieber. Nicht, dass er sie gewählt hätte. Aber die machten einen vernünftigen Job. Kinder hatten jetzt auf einem Spielplatz nichts verloren. Sonst hätten sie ja gleich im Kindergarten bleiben können. Doch die Spielplätze für Männer würden offen bleiben. Baumärkte zu schließen wäre wohl doch zu viel des Guten. Würden wohl auf die Barrikaden gehen, die Deutschen. Maria übte schon die Strophen. Stringiàmci a coòrte,
Siam pronti alla morte.
Eis gab es keins unterwegs

Franz: Andrà tutto bene #2
Wahltag in Bayern. Franz war schon in der Früh aufgeregt. Er verspürte bei Wahlen immer ein angenehmes Kribbeln im Bauch. Nein, nicht wegen der Wahlplakate. Die konnte er nicht mehr sehen. Vor allem nicht die von der AfD. Einem Verbot der Partei würde Franz nicht widersprechen. In Der Früh Semmeln beim Bäcker geholt. Die Warteschlange hatte mehr Lücken als früher. Später ging er mit Maria ins Wahllokal. Die durfte als Italienerin ja auch wählen. Die Durchführung der Wahl trotz Corona erschien ihm zwar sonderbar, aber die Wahl wollte er sich nicht nehmen lassen. Hatte seinen eigenen Stift dabei und panaschierte und kumulierte fleissig auch wenn die große des Wahlzettels dies nicht immer einfach machte. Später noch mit dem Rad die Isar entlang. Frühlingswetter. Früher hätte man gesagt: Biergartenwetter. Die erste Maß im Freien. Doch die nahm er nicht. Er fand es sonderbar, dass die Biergärten in München übervoll waren. Er würde auf seinem Balkon das Bier trinken. Da war auch Sonne. Nach der Tour. Auch die Eiscafés quellten über. Freie Plätze Mangelware. Am Abend saß Franz mit Maria vor dem Fernseher. Kleine Wahlparty. Die Ergebnisse trudelten ein. Langsam. Erstaunlich hohe Wahlbeteiligung. Die Italiener sangen fleissig vom Balkon. Franz trank mit Maria ein Bier. Vielleicht würden sie später auch singen. Azzuro. l pomeriggio è troppo azzurro. E lungo per me.
Marmelade gibt es noch im Keller

Franz: andrà tutto bene
Nein, Franz war nicht in Panik. Für ihn änderte sich nicht viel. Gut, in der Bar konnte er nicht jobben. Da wurde er nicht mehr gebraucht. Die paar Gäste konnte der Chef selber bedienen. Seine Band hatte auch keine Auftritte mehr. Gestern hätten sie im Bayrischen Hof spielen sollen. Abgesagt. Aber der Veranstalter würde das Honorar noch zahlen. Ein Freund von ihm hatte mit seinem Orchester ein Geisterspiel gehabt. Leerer Konzertsaal und nur ein Videomitschnitt. Als wäre es eine Probe. Die Italiener hatten es da noch schwieriger. Durften abends ihre Wohnung nicht mehr verlassen. Sie, die doch gerne abends ihre Runden drehten. Hier ein Eis. Da ein kleines Gläschen. Oder einfach nur auf der Bank saßen und ratschten. Alles würde gut werden. Natürlich. Andrà tutto bene. Sangen nachts vom Fenster aus auf die Straße. Oder in den Innenhof. Depressiv wollte keiner werden. Nein, Franz war noch ganz entspannt. Beim Einkaufen sich nur gewundert. Menschen mit Einkaufswagen voller Dosensuppen waren ihm begegnet. Er wollte nur ein wenig für das Wochenende einkaufen. Pasta hatte er genug daheim. Und Reis für Risotto gab es noch reichlich. Einen anderen wollte Maria nicht. Doch manchmal kochte er Basmati. Ausverkauft. Franz mochte den zarten Duft vom Basmati-Reis. Er hatte ihn einmal bei einem Kurden aus dem Irak kennengelernt. Mittlerweile gab es ihn ja überall. Dosensuppe hatte Franz nicht eingekauft. Nur ein paar Dosen Tomaten. Die brauchte er immer. Für Pizza. Für Pasta. Maria skypte jetzt immer viel mit Italien. Später würden sie sich alle wieder umarmen. Später. Andrà tutto bene.
Franz: Als Nachtisch Crostata
Durchaus hatte Franz sein Leben im Griff. Der ausfallende Starkbieranstich verunsicherte ihn nicht. Radelte wie immer durch München. Mild der Winter gewesen. Schnee hatte er in den Bergen aufsuchen müssen. Mild, viel zu mild gewesen. Ein schlaffer Hund, der Winter. Maria ging es gut, sie war gern bei ihm. Doch ihre Eltern fanden das Leben gerade nicht so lustig. Mühsam das Leben geworden, mühsam. Geschäfte zu. Krankenhäuser voll. Lange Schlangen vor der Apotheke. Keine Touristen in Florenz. Zu Ostern fuhren Franz und Maria immer zu ihren Eltern. Würde nichts werden. Franz hatte genug Ideen. Gedichte fielen ihm schon noch ein. Doch die Stimmung begann zu kippen in der Stadt. Fußball lieferte keinen Trost mehr. Die Löwen sowieso nicht. Nichts fand mehr statt. Außer die Wahlen. Die würden noch stattfinden. Da war dem Staat wohl keine Alternative eingefallen. Für Briefwahlunterlagen war es nun zu spät. Er mochte auch keine Briefwahl. Liebte den Gang in die Kabine. Früher war es oft nach dem Gottesdienst gewesen. Die fielen nun eh aus. Die Wahl war für Franz immer ein heiliger Akt. Das Fest der Demokratie. Die Innenstadt war heute fast leer gewesen. Fast. So schien es ihm. Nächste Woche würde es noch leerer werden. Franz würde zur Wahl gehen. Er ging immer. Eigentlich wollte Franz mit Maria ins Theater gehen. Abgesagt. Ein paar Freunde würden zum Abendessen kommen. Das ging noch. Ganz auf Kontakte verzichten wollte er noch nicht. Toilettenpapier war ja daheim. Nudeln auch. Wein sowieso. Zum Wählen würde er seinen eigenen Stift mitnehmen. Hatte er noch nie gemacht. Ob die AfD in München draußen bleiben würde? Er hoffte es. Doch dazu würde es wohl eine hohe Wahlbeteiligung brauchen. Und die würde es wohl kaum geben dank des Virus. Toilettenpapier hatte er genug. Zumindest für die nächste Woche. Zur Not hatte er alte Zeitungen. Wie auf der Alm. Da gab es oft auch nur alte Zeitung. Maria telefonierte jetzt täglich mit daheim. Depression lag über Italien. Maria brauchte Aufheiterung. Für den Abend hatten sie genug Rotwein in der Wohnung. Rot war der Abendhimmel gewesen. Lieblich balzten die Vögeln. Das Risotto würde den Bau wärmen. Maria liebte Risotto. Als Nachtisch Crostata. Das musste Maria trösten. Das Rezept war von ihrer Nonna. Mehr brauchte sie nicht. Und Rotwein.
Blühen will der Aprikosenbaum
