Blau der Himmel an Himmelfahrt. Zumindest am Nachmittag. In der Früh noch leichte Wolken. Später abgelaufen. Franz und Maria hatten schon in der Früh das Weite gesucht. Raus aus der Stadt. In die Jachenau. Radtour. Leichtes Gepäck. Die Freiheit genießen. Maienluft. Nicht zu warm. Erst später kamen sie ins Schwitzen. Walchensee, Sylvensteinsee. Viel zu kalt zum Baden. Die Isar entlang. Proviant hatten sie dabei, für alle Fälle. In Vorderriß doch in den Biergarten eingekehrt. War ein Platz frei gewesen. Ein Radler unter schattigen Bäumen. Manche Köche kochen ja nur noch vor Wut. In Deutschland rollt der Ball wieder, in Brasilien steigt die Corona-Kurve rasant, exponentiell nach oben. In deutschen Krankenhäusern war Ruhe eingekehrt. Gerade die indigene Bevölkerung von Brasilien sind wohl besonders bedroht. Schwer waren die Beine geworden nach der Tour. Franz und Maria lagen noch auf der Wiese. Es zog sie noch nicht heim. Zu schön die Luft. Zu blau der Himmel. München konnte warten.
Allgemein
Der Raps noch blüht

Franz: Andrà tutto bene #66
Sowieso und irgendwie. Fast hätte Franz die Sendung verpasst. Eigentlich ein gutes Zeichen. Doch er mochte die Serie. Die Corona-Zahlen in Deutschland entspannten sich, in der USA waren bald 100.000 Menschen gestorben. Davon ausgehend, dass in den Vereinigten Staaten ungefähr viermal so viel Menschen leben wie in Deutschland, eine erschreckend schlechte Quote. Manchmal träumte Franz von der Welt nach Corona. Da würden die Bauern ihren Spargel selber stechen und die Schweine auf dem Hof schlachten. Metzger würden auch wieder selber schlachten. Die meisten würden Rad fahren. In den U-Bahnen wäre Platz und der Mittlere Ring wäre frei von Staus. Die meisten Leute würden oft von zuhause aus arbeiten und das Leben mehr geniessen. Neuer hatte seinen Vertrag verlängert. War auch irgendwie größenwahnsinnig. Hatte einen Vertrag gewollt bis 39. Für Fußballer ein Großvateralter. So war die Welt. Vielleicht würde auch der Profifußball anders werden. Franz hatte manchmal Träume. Xavier Naidoo ist nur noch abgefahren. Eher kühl war der Tag gewesen. Durchwachsen. Doch kein Regen. Den Tag in der Bibliothek gewesen. Stille Arbeitsatmosphäre. Zufrieden mit dem Ertrag gewesen. Später noch für Himmelfahrt eingekauft. Er wollte mit Maria in die Berge. Sie riefen wieder.
Franz: Andrà tutto bene #65
Michel Piccoli war gestorben. Franz hatte ihn sehr gemocht. Hatte ihn sogar einmal in den Kammerspielen gesehen. Ein Gastspiel. Mit Emmanuelle Béart. Sonderbar irgendwie, wenn man Schauspieler vom Film her kannte und sie nun auf der Bühne sah. Franz liebte das französische Kino und Piccoli war das Gesicht. In „La Belle Noiseuse“ hatte er den Piccoli als Maler gesehen. Doch mehr auf sein Model geschaut. Da war er nicht der einzigste Mann gewesen. Vier Stunden lang. Was für eine Idee von Rivette. Den Krebse fangenden Piccoli in Louis Malles „Milou en mai“ hatte er nie vergessen. Was für eine Beerdigung. Was für ein Fest. Nicht vergleichbar mit der Trostlosigkeit der Beerdigungen in Zeiten von Corona. Die Luft wurde besser in Zeiten von Corona und doch ungesünder. Das Geniessen der Freiheit fiel Franz nicht in den Schoß. Franz hatte sich auch alte Filme mit Piccoli im Kino angesehen. Godard- Filme z.B., „Le Mépris“, mit der Bardot. Ein Film über den Film. Ein Schauspieler, der so viele anspruchsvolle Filme gemacht hatte, das man darüber sicherlich mehrere Dissertationen schreiben könnte. Derweil machte Alain de Botton auf Pessimismus. Pessimismus war nicht Franz sein Fall. Jetzt nicht. Sonst nicht. Natürlich nahm er das Leben nicht leicht. Mochte die Ernsthaftigkeit. Auch die Melancholie. Aber für Pessimismus sah er keinen Anlasse. Noch abends saß er auf seinem Balkon und hörte den Gesang der Vögel zu. Lau die Nacht zu werden versprach.
Franz: Andrà tutto bene #64
Franz las gerne das SZ-Magazin. Er las gerne die Gedichte von Michael Krüger. Immer mit einem sentimentalen Blick. Für viele war Corona ein Klacks. Doch nicht für alle. Franz hatte den Verleger und Autor immer wieder in München gesehen. Krüger war ja auch nicht zu übersehen gewesen. Er füllt den Raum. Au angenehme Art und Weise. Die Sonne hatte stark gewärmt nach kühlem Beginn des Tages. Franz war mit Maria zum Kaffeetrinken gegangen. Am Nachmittag. Erst der Schreibtisch. Dann das Vergnügen. Vor dem Café gab es wenig freie Plätze. Franz hatte aber vorher angerufen. Der erste Tag, an dem man Restaurants etc. draußen offen hatten. Später tranken Franz und Maria einen Spritz. Konnte nicht schaden bei dem Wetter. Leichtigkeit legte sich über sie. Ein Hauch von Urlaub. Die Ferienländer machten Pläne für ihre Touristen. Sie wollten Geld verdienen. Merkel und Marcon wollten für Europa viel Geld ausgeben. Das Machtspiel in der AfD hatte noch keinen Sieger. Auch der Verlierer stand noch nicht fest. Ob die Demokratie gewinnen würde? Wusste Franz auch nicht. Die Luft um Höcke wurde dünner. Seine Sprache radikaler. Die Biergärten hatten wieder offen. Franz würde ein andermal gehen. Der Nockherberg war ja um die Ecke. Man musste ein Formular ausfüllen, um ein Bier zu trinken. Heute trank er auf dem Balkon einen Rotwein. Die Luft war noch warm am Abend. Maske trug er keine. Maria auch nicht.
Franz: Andrà tutto bene ’63
Sonntagsonne. Bergwetter. Franz und Maria war früh los. Autobahn noch frei. Bahn fuhren sie gerade eher nicht. Ab Sachrang rauf. Franz war schon immer gern im Chiemgau gewesen. Schon mit seinem Großvater. Franz liebte die Wiesen und die Kühe. Noch gab es welche zu sehen. Hier durften noch einige auf die Weide und auf die Alm. Franz roch gern die Wiesen. Und auch die Kuhställe. Städter eben. Auf Landflucht. Das Wandern auf die Berge brachte angenehme Abwechslung vom Schreibtisch. Die Muskeln zu spüren tat dem Franz gut. Auch Maria hatte die Berge gern. War früher auch in der Toskana gerne gewandert. Nicht im Hochsommer. Da war es dann doch meist zu heiß. Oder aber sie war früh aufgestanden. Vor dem Mittag musste man dann eben wieder zurück sein. Wenn alles gut ging, würde sie bald zu ihren Eltern fahren. Alle hatten Geduld. Doch es wurde auch Zeit. Die Zeiten wurden normaler. Morgen würden Franz und Maria draußen eine Kaffee trinken. Wenn es Platz geben würde. Sonst ein andermal. Der Ball auf den Fußballplätzen war gerollt. Fast alles wie immer. Außer die Zuschauer. Bayern hatte gewonnen. Dortmund schön gespielt und auch gewonnen. Die AfD sorgte für Unterhaltung. Die Demonstranten machten Sorgen. In der Früh war die Luft kühl gewesen. Frische Mailuft. Am Nachmittag konnten sich Franz und Maria auf der Wiese sonnen.
Samstagabend

Franz: Andrà tutto bene #62
Vorbei die Eisheiligen. Vorbei. Desto länger der Tag, umso wärmer wurde es. Vertrieben die Kälte der Nacht. In der Früh fast noch Frost gewesen. Die Obergrenze der Demo auf der Theresienwiese wurde locker erreicht. Bei Tausend war Schluss. Der Reste durfte nicht auf den Platz. Für Abstand ist der Platz groß genug. Bei der Wiesn sind ein paar Leute mehr dort anzutreffen. München bekommt jetzt ein neues Autokino. Temporär. Warum nicht. Auch wenn es Franz nicht reizen würde. In Italien sind die Corona-Zahlen rückläufig. Ab Juni dürfen Europäer wieder einreisen. Nur 153 neue Todesfälle. Für Italien eine gute Zahl. Franz und Maria würden im Sommer sicher nach Florenz fahren. Maria vielleicht schon früher. Anfang Juni war nicht mehr weit. Solange konnte sie leicht noch warten. Auf ein paar Wochen kam es jetzt nicht mehr an. Geduld war eine wichtige Tugend. Zumindest in Zeiten von Corona. Die Italiener hatten Zeit. Sie hatten Geduld. Mehr als die Deutschen. Die AfD hatte keine Geduld. Die hatten lange Messer. Höcke greift Meuthen an. Auf den Flügel ist eben Verlass. Auch wenn es ihn nicht mehr gibt. Franz freute sich auf Montag. Da durften die Biergärten öffnen. Und die Cafés draußen servieren. Jetzt, nach der kalten Sofie würde es schön sein, einen Kaffee in der Sonne sitzend zu trinken. Oder einfach Essen gehen. Auch wenn es Abstandsregeln geben würde. Der Himmel weiß und blau. Eine Maß trinken unter den blühenden Kastanienbäumen. Vorbei die Eisheiligen. Corona war noch zu Gast.
Kalte Sofie

Franz: Andrà tutto bene #61
Die kalte Sophie macht alles hie. Doch manchmal ist sie nicht so hart. Kühl ist sie gewesen, keine Frage. Sonderbar eigentlich, dass auf die Eismänner die Sophie kommt. Ab morgen keinen Frost mehr. Alle Tomaten konnten bis zum Herbst auf dem Balkon bleiben. Nicht, dass Franz so viel Platz gehabt hätte auf seinem Balkon. Aber Blumen und ein paar Tomaten mussten sein. Auch wenn der Nachbar dann manchmal gießen durfte. Ein normales Wochenende war eh kein Problem. Von Freitag bis Sonntag hielten es die Pflanzen schon gut aus. Dem Sommer steht nichts mehr im Wege. Franz freute sich, dass der Mai Regen gebracht hatte. Viel zu trocken war der April gewesen. Derweil räumt die AfD ein wenig bei sich auf. Die Show muss weiter gehen. Ob Attila mit seinem Onlineshop gute Geschäfte macht? Seinem Bekanntheitsgrad taten seine seltsamen Theorien sicher keinen Abbruch. Die Welt war ein wenig aus den Fugen, die Demokratie wurde schon einmal mehr geschätzt in Deutschland. Morgen würde der Ball wieder rollen. Und keiner würde ins Stadion gehen. Fast. keiner. Kameraleute durften rein. Die mussten ja die Bilder senden. Fürs große Geld. Die Theater wollten auch starten. Stückl wollte am liebsten die Sommerpause vorziehen um danach durchzustarten. Eigentlich keine schlecht Idee für den Franz. Auf Autokino hatte er keine LUst. War lieber noch einmal in der Alten Pinakothek gewesen. Raffael sattsehen. Später Pasta mit Spargel. Ging schnell. Gegen Abend war die Kälte verschwunden. Die Sophie hatte Reißaus genommen.