Nächste Woche endlich Masken für alle. Für alle beim Aldi und beim Lidl. Beim Edeka und Rewe. Auch fürs Personal? Bis jetzt liefen die ja oft ohne Schutz rum. Absicht? Kein Geld? Keine Masken? Franz freut sich darauf. Da wussten dann alle, was Sache ist. Wahrscheinlich waren Masken die neuen Krawatten. Nicht bequem, aber unglaublich chic. Ohne Maske in der U-Bahn? Uncool. Total uncool. Ohne Maske beim Billig-Discounter? Geht gar nicht. Kalt pfiff der Wind um die Nase, dennoch stürmte Franz mit dem Rad in die Gärtnerei, nachdem er den Vormittag in Buchhandlungen verbracht hatte. Ach, was für ein Leben. Stundenlang durch Buchhandlungen schlendern. Doch irgendwie war die Stimmung anders. Regulierter. Kontrollierter. Hatte sich Franz anders vorgestellt. Hat dann doch weniger geschmökert, weniger geredet, weniger nachgedacht. Schnell die Heiligtümer verlassen. Es war doch noch nicht alles wie früher. Geld hatte er wenig ausgegeben. Die Gärtnerei hatte ihm besser gefallen. Ein paar Tomatenpflanzen für den Balkon. Und Geranien. Die mussten sein. Vollkommen langweilig, diese Geranien und doch wunderbar. Und gar nicht so bayrisch, wie immer alle dachten. Stammen ursprünglich wohl aus Afrika. Eingewandert. Viele kommen aber auch aus Vorderasien. Ursprünglich. Haben sich in Bayern aber gut eingelebt.
Allgemein
Franz: Andrà tutto bene #35
Die Wiesn würd nix werden. Aber abgesagt war sie immer noch nicht. Franz war deswegen nicht wirklich betrübt. Aber in seinen Biergarten würde er gern gehen dürfen. Er war mit ihm groß geworden. Mit Großvater gern hingegangen und später mit Freunden. Auch Maria liebte diesen Biergarten. In einer lauen Sommernacht fühlte sie sich dort wie in Italien. Wunderbar der Schatten der Kastanien. Am Sonntag waren Franz und Maria weiter rausgefahren. Die Fahrräder auf dem Dach mitgenommen. Sonst fuhren sie gern mit dem Zug raus. Doch dies wollten sie nicht. Den Menschen nicht zu nah kommen. Merkel führte sicher durch die Krise, Trump stolperte wie ein irrer Derwisch durchs Land. Sonderbare Stimmung in Amerika. Am Himmel große Ruhe. Nur selten ein Flieger am Horizont. Die Landpartie mit dem Rad war entspannt gewesen. Keine Höchstleistung. Keine große Highlights. Kein Tegernsee. Kein Schliersee. Auch kein Chiemsee. Obwohl sie ihn so liebten. So weit waren sie nicht gefahren. Um Dorfen herum waren sie unterwegs gewesen. Frische Luft. Ortsveränderung. Den Vögeln beim Singen zugehört. Hin und wieder kalter Wind im Schatten der Bäume. Später Spargelrisotto. Ging schnell. Machte glücklich.
Münchener Löwenzahn

Franz: Andrà tutto bene #34
Der Vormittag sommerlich blau. Warm die Luft. In der Früh holte Franz Semmeln. Ein schönes Ritual zum Wochenende. Wenn kein Ausflug geplant war. Zeitig war Franz schon beim Bäcker. Noch wenig los. Angenehm lag der Duft der Backwaren im Raum. Der Abstand war leicht einzuhalten. Franz freute sich schon auf Montag. Da könnte er auch Buchhandlungen stöbern. Bibliotheken aufsuchen. Das würde ein Festtag werden. Franz redete gerne mit Buchhändler des Vertrauens. Über Gott und die Welt. Über Fußball und über Bücher. Über Autoren und ihre skurrilen Vorlieben. Aber auch übers Essen. Franz war froh, dass er nicht in Amerika lebte. Der Trump agierte immer sonderbarer. Machtbessen und planungslos irrte der Präsident durch die Corona-Krise. Da war ihm Merkel, Söder und Co. lieber. Auch in Deutschland gab es Meinungsverschiedenheiten, die mitunter merkwürdig klangen. Trump Aufruf zur Befreiung von Michigan, Minnesota und Virginia lächerlich. Am Nachmittag, als das Gewitter kam, das Gewitter und endlich ein wenig Regen, backte Franz mit Maria einen Kuchen. Crostata. Sie hatten noch genug Marmelade im Keller vom letzten Sommer. Crostata ging immer. Konnte man gut aufbewahren. Schmeckte immer. Nach Süden. Das konnte nicht schaden.
Franz: Andrà tutto bene #33
Was für eine Freude. Was für ein Glück. Vollkommen überrascht. Eher beiläufig schlenderte Franz noch, die Kasse schon in Sichtweite, der Einkaufskorb hatte schon das Nötigste, durch den Gang neben den Backregalen. Hörte, bevor er sich auf die genaue Suche machte, die Frage nach Hefe. Nein. Trockenhefe gäbe es in diesem Geschäft nicht. Aber im Kühlregal sei frische. Frische Hefe? Franz glaubte seinen Ohren nicht. Doch ging, mit der fragenden Frau zu der besagten Abteilung, um nachzusehen. Wirklich. Keine Fata Morgana. Da lag sie. Unschuldig im Regal. In Form kleiner Würfel. Als wäre es etwas ganz normales. Wochenlang war dieser winzige Platz leer gewesen. Aus. Vergriffen. Nicht lieferbar. Frische Hefe. Franz nahm die vorgeschriebene Höchstmenge. Fünf. Fünf Würfel durfte man nehmen. Fünf langten für eine Weile. Franz hatte zwar noch Reserve. Trockenhefe. Doch er mochte die frische lieber. Roch viel besser. In Gedanken dachte er an seinen Ofen. An Rezepte. Für was er diese Hefe alles am besten einsetzten würde. Frische Hefe. Das hatte er nicht erwartet. Vor Glück vergaß er die anderen Sachen einzukaufen. Nicht so schlimm. Die anderen Sachen die gab es immer. Und überall. Voller Stolz legte er sie daheim in den Kühlschrank. Ganz vorsichtig. Als wären es rohe Eier.
Botanischer Garten, München,von außen

Franz: Andrà tutto bene #32
Ruhig war die Stadt. Ruhig. Angenehm. Weniger Autos. Weniger Menschen. Franz mochte diese Ruhe. Zumindest zum Teil. Heut war er zum Schlosspark geradelt. Angenehm entspannt auf den Radwegen. Gut die Luft auf der Straße. Bäume beim Blühen angeschaut. Es gibt schlechteres Ein Gedicht geschrieben. Auf einer Bank gesessen. Den Uhu nicht gesehen. Später noch am Rotkreuzplatz eingekauft. Brot beim Ruffini. Und ein wenig Kuchen. Durfte sein. Bald würden die Buchhandlungen wieder auf haben. Und die Bibliotheken. Franz liebte diese Orte. Der Baumarkt konnte ruhig zubleiben. Da hatte er wenig Bedarf. Seine Wohnung wollte er jetzt nicht streichen. Sein Bad nicht renovieren. Das Parkett nicht abschleifen. Er wollte kochen und schreiben und den Bäumen beim Wachsen zusehen. Über den Sommerurlaub hatte Franz noch nicht nachgedacht. Irgendwann wollte er mit Maria noch Florenz. Keine Frage. Irgendwann würde man sich wieder in den Arm nehmen wollen. Doch über Termine nachzudenken war viel zu früh. Die Wiesn war immer noch nicht abgesagt. Doch Freunde aus Italien haben schon abgewunken. Nächstes Jahr. Nächstes Jahr. Da würden sie gerne kommen. Und sie würden kommen. Da war sich Maria sicher. Da war sich Franz sicher. Nächsten Montag würde Franz in seine Buchhandlung gehen. Das war sein Plan. Mehr Pläne hatte er gerade nicht. Brauchte er auch nicht.
Franz: Andrà tutto bene #31
Überraschungen brachte der Tag keine. Merkel blieb sich treu. Laschet ging nicht als Sieger vom Deck. Söder hatte sicher gut lachen. Schulen blieben geschlossen. Ausgangssperre, Kontaktverbot, wie auch immer, bis Anfang Mai. Die Situation würde sich etwas entspannen. Badeurlaub buchte Franz noch keinen. Die Wiesen waren immer noch nicht abgesagt. Auch dies eine reine Formsache. Solange es keinen Impfstoff gab, würde man solche Feste nicht stattfinden lassen können. Kühl war die Nacht gewesen. Leichter Frost. Doch Wolken verflogen sich. Blau der Himmel am Nachmittag. Franz kaufte auf dem Markt Fisch. Fisch half immer. Fisch schmeckte gut. Fisch erzählte vom Meer. Keine schlechten Geschichten. Franz hörte gerne Gesichten vom Meer. Maria auch. Zum Chiemsee würden sie bald einmal wieder fahren. Der war kein Meer. Doch er erzählte auch schöne Geschichten. Beim Radeln war Franz warm angezogen. Zumindest am Vormittag. Noch war die Luft kalt gewesen. Masken sah man immer mehr beim Einkaufen. Wenn jemand hustete, machte Franz einen großen Bogen. Hatte keine Lust auf den Virus. Leer die Spielplätze in der Stadt. Leer. Für Kinder war es keine gute Zeit. Keine Spielkameraden treffen. Kein Fußball. Immer nur mit den Eltern rumhängen. Merkel blieb sich treu. Es half nichts.
Franz: Andrà tutto bene #30
Kalt die Luft. Ungewohnt kalt. Mit Wollmütze aufs Rad in der Früh. Franz holte Semmel. Brot über die Feiertage ausgegangen. Nur Müsli wollte er nicht. Nach den warmen Tagen plötzlich ungewohnt. Die Buchhandlung des Vertrauens wollte im Laufe des Tages liefern. Die kleinen Geschäfte taten sich schwer gegen Amazon und Co. Es wäre gut für sie, wenn sie bald wieder öffnen könnten. Mittags liessen sie sich heute das Essen liefern. Ein Besuch im Restaurant ging nicht, aber warum nicht einmal das Essen kommen lassen. Machten sie selten. Die Ministerpräsidenten würden bald tagen. Franz war schon gespannt ob der Beschlüsse. Von der Leopoldina hatte er irgendwie mehr erhofft. Eine neue Brauerei sollte in München aufmachen. Gar nicht weit von ihm entfernt. Warum nicht. Bestimmt besser als die großen Brauereien. Deren Bier trank ja eh kein Münchener mehr freiwillig. Franz hatte am Vormittag ein paar Zeilen aufs Papier gebracht. Nicht viel. Doch auch nicht wenig. Fast zufrieden. Am Nachmittag ging er mit Maria durch die Stadt. Ruhig. Nicht leer. Angenehm fast. Nach Haidhausen. Obst gekauft. Wieder zurück. An geschlossenen Geschäften vorbei. Wolken hatten sich aufgetürmt.
Der Wind pfeift draußen
