Franz: Andrà tutto bene #41

Trocken die Luft. Gelber Pollen liegt auf allen Oberflächen. Die Sonne endlos. Pusteblumen luden den Wind ein. Franz zupfte gerne eine ab. Auch Maria. Ein Kinderspiel. Ein schönes. Ein leichtes. Die Wiesen waren gerade voll von Pusteblumen. So wandelte sich der Löwenzahn. Wenn sie durch die Stadt radelten, sahen sie viele davon. Blieben manchmal stehen. Lachten. Machten ein Foto.

Im Supermarkt hatte es keine Hefe gegeben. Pizza würde es auch so geben. Sie hatten noch Vorräte. Die meisten hatten jetzt schon Masken auf. Zu kaufen gab es sogar welche im Supermarkt. Aus Baumwolle. Weiß. Waschbar bei 60 Grad. Weiß war nicht so chic. Aber darauf kam es nicht an.

Der Nachmittag verging in der Sonne wie im Fluge. Keine Geschäfte von innen gesehen. Die Umfragewerte der CDU/CSU gingen durch die Decke. Trump agierte immer verrückte. Jedes Land wählt seinen Präsidenten in einer Demokratie selber. Und die Amerikaner hatten ja bald wieder die Wahl. Die Italiener sangen Bella Ciao. 75 Jahre nach der Befreiung. Das Lied der Partisanen. Kein Partylied. Tu mi devi seppellir. E seppellire lassù in montagna.

Franz: Andrà tutto bene #40

Franz vermisste seine andre Arbeit durchaus. Die Leute und auch das Geld. Er arbeitete gerne in der Bar. Menschen treffen war im ein Vergnügen. Natürlich nicht immer. Er mochte auch die Ruhe. Doch momentan sehnte er sich eher nach Gesprächen mit Menschen. Führte gern Diskussionen. Nicht über Krankheiten. Lieber über Kunst. Oder Politik. Oder Philosophie Oder. Auch über das Essen. Und das Wetter. Wenn man eine italienische Freundin hatte, kommt man da nicht drum rum. Das Gespräch über Corona war irgendwann erschöpft. Und auch nicht immer optimistisch. Natürlich nahm er den Virus ernst. Er trug eine Maske im Geschäft. Auch wenn es noch keine Pflicht war. Fast erstaunt schaute er Menschen an, die im Geschäft keine Masken aufhatten. So änderte sich die Wahrnehmung. Waren vor kürzerer Zeit die Maskenträger noch nervöse Großstadtneurotiker, waren sie jetzt die coolen, die den Trend setzten. Eine weiß-blaue Maske wie der Söder hatte Franz nicht. Maria hatte auch keine ein rot-weiß-grün. Aber der Ministerpräsident von Italien trug jetzt eine feine Krawatte, auf die die Nationalflagge gestickt war. Teuer Anzug. Teure Krawatte. Conte machte eine gute Figur in der Krise. Ob Conte Italien retten würde, wusste man nicht genau. Aber es lief gut. Franz mochte den Drosten, so wie man einen Virologen mögen kann. Drosten setzte sich für seriöse Wissenschaft ein. Zumindest kam dem Franz dies so vor. Unaufgeregt und beharrlich. Still war es um die AfD geworden. Aber auch um die Grünen. Schlechte Zeit für Opposition. Die Grünen vermisste er. Die anderen nicht. Von den Koalitionsverhandlungen im Münchener Stadtrat war wenig zu hören. Am Abend wollte Franz Zander kochen. Fisch mochte Maria. Fisch machte sie glücklich. Die Sterne gingen bald auf.

Franz: Andrà tutto bene #39

Natürlich die Impfpflicht. Franz war begeistert. Söder Superman. Es ging bergauf mit Deutschland. Nur nicht mit den Blaumeisen und der Landwirtschaft. Franz kannte nicht alle Vögel. Doch die Blaumeise erkannt er leicht. Regen hatte es im April kaum gegeben. Die Wechselhaftigkeit war dem April schon länger ausgetrieben worden. Das war natürlich jetzt angenehm. Schönes Wetter machte gute Laune. Bei den meisten. Manchmal auch zu viel gute Laune. Die Isarufer waren voller Leute. Der Englische Garten auch. Parkbänke schnell voll, wenn sie nicht im Schatten standen.  Mitunter noch frisch der Wind. Franz hatte gern ein Halstuch an beim Radeln. Am Nachmittag ging er mit Maria durch Haidhausen. Am Vormittag am Schreibtisch gesessen. Und am Küchentisch. Je nach Laune und Lichtverhältnisse wechselte Franz gern den Ort des Schreibens. In Haidhausen ein paar Kleinigkeiten eingekauft. Joghurt. Bananen. Spargel. Kartoffeln waren noch daheim. Spargel mit Kartoffeln zum Abend. Mehr brauchte es nicht. Und ein wenig Butter. Nie schmeckten dem Franz die Kartoffeln besser als mit frischem Spargel. Blau der Himmel noch lange. Il pomeriggio è troppo azzurro.

Franz: Andrà tutto bene #38

Weil man, wenn man jetzt Öl kaufte hatte Franz schon überlegt, wo er denn sein Öl lagern sollte. Öl geschenkt und auch noch Geld dazu? Seltsame Zeiten. Schwer zugestehende Logik. Der Fußball scharrte mit den Hufen und wollte loslegen. Panem et circenses. Ist Fußball eigentlich systemrelevant? Und Handball und Basketball nicht? Spannende Unterhaltung sorgte für Ablenkung. Keine Frage. Wussten schon die Römer. Wussten auch die Nazis. Würde auch bei einer Pandemie funktionieren. Franz war sich da sicher. Sport würde das Niveau des Fernsehprogramms sicherlich anheben. Die jungen Leute waren eh schon längst alle bei Netflix und Co. Franz schaute eher selten fern. Doch zurzeit wollte er manchmal andere Menschen sehen. Nachrichten schaute er mehr als sonst. Aber auch nicht zu oft. Talkshows konnte er nie leiden. War dessen müde. Auf „Irgendwie und Sowieso“ freute er sich. Da wurde er immer melancholisch. Sir Quickly und die Liebe. Ein schwieriges Thema. Blau der Himmel über München gewesen. Kühl der Wind zunächst. Mitunter hatte er auf dem Rad dagegen antreten müssen. Am Baumarkt war Franz munter vorbeigeradelt. Blumen hatte er vom Gärtner und Bücher gab es woanders. Auf dem Markt hatte er noch schnell Gemüse und Fisch mitgenommen. Paella würde es geben. Urlaub auf dem Teller.

Franz: Andrà tutto bene #37

Abgesagt. Die Wiesn. Abgesagt. Ein paar Besoffene weniger in der Stadt. Doch Franz mochte die Wiesn. Manchmal zumindest. Nicht jeden Tag. Je nach Laune. Aber ein Jahr ohne ist kein Problem. Er trank eh lieber Rotwein. Aber so ab und an ein Wiesnbier. Muss nicht schlecht sein. In Zeiten von Corona gehen solche Veranstaltungen gar nicht. Die Krise ist eben nicht vorbei und solange es keinen Impfstoff geben würde, wird es solche Veranstaltungen nicht geben. Zumindest nicht in Deutschland. Da war sich Franz sicher. In Schweden vielleicht schon. Die gingen einen anderen Weg. Der deutsche Weg schien dem Franz vernünftiger zu sein. Doch die Rechnung wird erst am Ende gemacht.

Klar, die Italiener würden wohl eh nicht kommen und überhaupt, beim Discounter bekommt für den Preis einer Maß einen ganzen Kasten. Ob es via Skype Wiesn-Partys geben würde? Für die, die unter Entzug leiden würden? Chic in Tracht, Brezn, Hendl und Bier. Die Musik würde vom Band kommen. Ein Prosit. Ein Stück Normalität würde Franz fehlen. Vielleicht würde einer der Freunde ja auch seine Trompete rausholen. Oder seine Tuba. Wer weiß.

Franz: Andrà tutto bene #36

Nächste Woche endlich Masken für alle. Für alle beim Aldi und beim Lidl. Beim Edeka und Rewe. Auch fürs Personal? Bis jetzt liefen die ja oft ohne Schutz rum. Absicht? Kein Geld? Keine Masken? Franz freut sich darauf. Da wussten dann alle, was Sache ist. Wahrscheinlich waren Masken die neuen Krawatten. Nicht bequem, aber unglaublich chic. Ohne Maske in der U-Bahn? Uncool. Total uncool. Ohne Maske beim Billig-Discounter? Geht gar nicht. Kalt pfiff der Wind um die Nase, dennoch stürmte Franz mit dem Rad in die Gärtnerei, nachdem er den Vormittag in Buchhandlungen verbracht hatte. Ach, was für ein Leben. Stundenlang durch Buchhandlungen schlendern. Doch irgendwie war die Stimmung anders. Regulierter. Kontrollierter. Hatte sich Franz anders vorgestellt. Hat dann doch weniger geschmökert, weniger geredet, weniger nachgedacht. Schnell die Heiligtümer verlassen. Es war doch noch nicht alles wie früher. Geld hatte er wenig ausgegeben. Die Gärtnerei hatte ihm besser gefallen. Ein paar Tomatenpflanzen für den Balkon. Und Geranien. Die mussten sein. Vollkommen langweilig, diese Geranien und doch wunderbar. Und gar nicht so bayrisch, wie immer alle dachten. Stammen ursprünglich wohl aus Afrika. Eingewandert. Viele kommen aber auch aus Vorderasien. Ursprünglich. Haben sich in Bayern aber gut eingelebt.

Franz: Andrà tutto bene #35

Die Wiesn würd nix werden. Aber abgesagt war sie immer noch nicht. Franz war deswegen nicht wirklich betrübt. Aber in seinen Biergarten würde er gern gehen dürfen. Er war mit ihm groß geworden. Mit Großvater gern hingegangen und später mit Freunden. Auch Maria liebte diesen Biergarten. In einer lauen Sommernacht fühlte sie sich dort wie in Italien. Wunderbar der Schatten der Kastanien. Am Sonntag waren Franz und Maria weiter rausgefahren. Die Fahrräder auf dem Dach mitgenommen. Sonst fuhren sie gern mit dem Zug raus. Doch dies wollten sie nicht. Den Menschen nicht zu nah kommen. Merkel führte sicher durch die Krise, Trump stolperte wie ein irrer Derwisch durchs Land. Sonderbare Stimmung in Amerika. Am Himmel große Ruhe. Nur selten ein Flieger am Horizont. Die Landpartie mit dem Rad war entspannt gewesen. Keine Höchstleistung. Keine große Highlights. Kein Tegernsee. Kein Schliersee. Auch kein Chiemsee. Obwohl sie ihn so liebten. So weit waren sie nicht gefahren. Um Dorfen herum  waren sie unterwegs gewesen. Frische Luft. Ortsveränderung. Den Vögeln beim Singen zugehört. Hin und wieder kalter Wind im Schatten der Bäume. Später Spargelrisotto. Ging schnell. Machte glücklich.